17.05.2026, Tag 2, 46,4 km Gesamt: 129,6 km
Ich habe mir bewusst keinen Wecker gestellt, da ich ja viel Zeit habe und sowieso immer früh wach werde. Als ich gegen halb sieben das erste Mal aus dem Fenster schaue, sieht es so aus:

Aber ich bin überzeugt davon, dass sich der Nebel verziehen wird und als ich eine Stunde später losradle, sind die Dunstschleier wirklich alle weg.
Der Dampf, der trotzdem noch von den Feldern aufsteigt, versetzt die Gegend in eine wunderbar mystische Stimmung und ich freue mich schon nach wenigen Metern auf den Tag.

Die erste Bergwertung meines Garmin lässt auch nicht lange auf sich warten und so schufte ich mich den Anstieg hinauf.
Ist aber alles machbar und die erste von sechs Bergwertungen heute.
Ich hatte mich ja zunächst gefragt, ob die 45 km heute nicht etwas zu kurz sind, dann aber gesehen, dass es genauso viele Höhenmeter wie gestern, auf der doppelt so langen Strecke, sind. Seitdem bin ich ganz froh über die kurze Etappe und hoffe, dass ich die steilen Stücke gut bewältigt bekomme.
Die Bergwertungen lösen sich fast nahtlos ab, so dass ich immer nur kurze Erholungsphasen habe, bevor es wieder bergan geht. Aber die Gegend ist wunderschön und ich bewege mich fast ausschließlich auf autofreien oder -armen Wegen, was die Strecke sehr aufwertet.
Nach anderthalb Stunden bin ich in Male Mune und mache eine ausgiebige Pause. Die Aussicht ist schön, die Sonne strahlt wunderbar und ein nettes Plätzchen zum Sitzen habe ich auch. Außerdem habe ich schon zwei Drittel der Höhenmeter geschafft und die knappe Hälfte der Gesamtstrecke.

Ganz offensichtlich bin ich auch schon in Kroatien, dabei habe ich nirgendwo Grenzschilder gesehen – aber bei den Schleichwegen, die ich nehme ist das wahrscheinlich auch kein Wunder. 😉
Die Anstiege bisher waren zwar anstrengend, aber wenn das so weiter geht, ist das alles machbar und ich komme früh in Buzet an.
Es ging natürlich nicht so weiter…
Die nächste Bergwertung stand an und war mit ca. 6 km nicht gerade kurz. Nach einem normalen Beginn mit einem steilen Anstieg komme ich an Waldarbeitern mit zwei Pferden vorbei.
Das war kein gutes Zeichen, da sich der Waldweg direkt danach in eine zerfurchte, schlammige, mit abgesägten Zweigen und Ästen gespickte Trasse wandelte, auf der ich unmöglich fahren konnte.
Also hieß es schieben – und zwar sehr lange schieben. Ich schätze einen Kilometer habe ich mein Fahrrad durch das Chaos gewuchtet und meine Füße aufgescheuert, weil ich keine Wanderschuhe anhabe…

Dann kommt mir ein Gedanke und ich muss laut auflachen. Mir ist gerade eingefallen, dass meine ursprüngliche Planung vorgesehen hatte, die Strecke von Ljubljana nach Buzet an einem Tag zu fahren. NIEMALS hätte ich die Strecken von gestern und heute an einem einzigen Tag fahren können. Und das sage ich jetzt schon, wo ich noch lange nicht am Ziel bin. Ich bin sooooo froh, dass ich doch nochmal umgeplant und mich auf mein Ziel – ein entspannter Radurlaub – besonnen habe. Es ist zwar super anstrengend heute, aber aufgrund der überschaubaren Länge lässt es mich nicht verzweifeln und ich habe trotzdem meinen Spaß (manchmal 😉 ).
Irgendwann endeten dann auch die Hinterlassenschaften der Waldarbeiten, aber es blieb weiter steil und der Weg war mit großen Steinen versehen, so dass ich immer wieder absteigen und schieben musste. Meine Kräfte wurden ja auch nicht mehr, so dass ich auch deshalb immer früher steckenblieb und absteigen musste.
Ich habe aber bis zuletzt gekämpft und bin immer wieder aufgestiegen und gefahren, sobald es irgendwie möglich war.
So habe ich den Gipfel dann auch fahrend erreicht und mich auf die Abfahrt gefreut.
Allerdings nicht sehr lange.
Da ich mitten im Wald stand, rechnete ich natürlich nicht mit so einer tollen, zweispurigen, asphaltierten Abfahrtsstraße wie ich sie gestern genießen durfte. Aber etwas Fahrbares wäre schon schön gewesen…
Stattdessen erwartete mich ein mit großen Steinen gespickter Waldweg, der einfach super steil war. Ich bremste, was das Zeug hielt, und wurde trotzdem nicht so langsam, wie ich es mir gewünscht hätte. Stattdessen versuchte ich verzweifelt, dem Merksatz „Man fährt dahin, wo man hinsieht“ zu folgen, aber der stimmt nicht. Nicht, wenn man mit dem Fahrrad einen steilen Wanderweg hinunterrast und die Wahl zwischen zwei großen, kantigen Steinen auf der linken Spur und drei großen, kantigen Steinen auf der rechten Spur hat.
Mir lief der Schweiß in Strömen runter, meine Arme und Beine brannten von der Anstrengung, irgendwie die Position zu halten. Ich versuchte zu Bremsen, ohne dass die Reifen blockierten, ich versuchte zu lenken, um die „Idealspur“ zu finden – die gab es nur nicht. Meine Fähigkeiten auf dem Gebiet der Gravel-Abfahrt sind auch sehr überschaubar und ich wurde an meine Wien-Berlin-Tour erinnert, wo ich jeden Tag mit solchen Horror-Abfahrten zu kämpfen hatte – und dann noch im Regen.
Und es nahm einfach kein Ende. Gefühlt hoppelte ich schon ewig über die weißen Steine und irgendwann verlor ich dann die Kontrolle…ich fiel den Weg einfach nur noch runter, von aktivem Lenken war nicht mehr zu reden und ich sah mich schon auf dem steinigen Boden aufschlagen – aber das passierte nicht. Ich fiel einfach nicht hin, sondern raste weiter den Berg hinab…nach ein paar Metern hatte ich die Kontrolle auch wiedergefunden – im Gegensatz zu meiner Kraft. Mir tat wirklich alles weh und ich wollte nur noch anhalten. Das ging aber nicht, da ich dann auf diesem steilen Stück nicht mehr vernünftig aufsteigen würde können.
Irgendwann endeten die weißen Steine – die Abfahrt aber nicht. Jetzt war es wieder mehr Waldboden mit Tannenadeln, nassen Blättern, Stöckchen und Steinchen.
Und das Gefälle hörte einfach nicht auf. Ich machte jetzt doch eine kurze Pause, weil ich meine Muskeln entspannen musste und fluchte vor mich hin.
Wieso müssen klassische Wanderwege als Radwege ausgeschildert werden? Wir können doch auch locker über vernünftige Straßen fahren. Das hier war wirklich kein Spaß für Radler. Als Wanderin hätte ich die Zeit hier sehr genossen und wäre vergnügt runtergelaufen…
Aber half ja nix, irgendwie musste ich weiterkommen, also ging’s weiter.
Die Abfahrt dauerte nochmal mehrere Minuten, bis ich irgendwann tatsächlich im nächsten Ort auf einer asphaltierten Straße rauskam. Hallelujah – ich war nicht gestürzt und mein Fahrrad war noch in einem Stück. Gleich zwei Wunder auf einmal.
Sofort besserte sich meine Laune wieder und ich machte nochmal drei Kreuze, dass ich die Strecke auf zwei Tage aufgeteilt hatte. Gestern wäre ich nach gut 100km unmöglich hier unversehrt runtergekommen.
Nach ein paar wenigen Metern auf Asphalt durch den Ort ging es gleich wieder zur nächsten Bergwertung – allerdings der letzten für heute, so dass ich es locker nahm. Schlimmer konnte es nun auch nicht mehr werden.
Es ging wieder einen Wanderweg hinauf und der war soooo schön. Hier wäre ich auch gerne wandernd langgekommen. Nach dem steilsten Stück des Anstiegs kommt ein perfekter Pausenplatz und ich genieße die Gummibärchen, die ich gestern Abend nicht mehr geschafft hatte. Die habe ich mir jetzt verdient.


Danach geht es noch ein Stückchen bergauf und nachdem mir Garmin bestätigt, dass ich die letzte Bergwertung für heute erfolgreich abgeschlossen habe, verbleiben noch gut 80 Höhenmeter, die sich durch ein ständiges auf und ab zusammenaddieren.
Die Wege sind bis zuletzt holprig und eher zum Begehen als Befahren geeignet, aber irgendwann erreiche ich die Straßen von Buzet und fahre glücklich durch den Ort zu meinem Apartment.
Dort komme ich 15:00 Uhr an und habe also wieder ausreichend Zeit, um mich und meine Klamotten zu waschen, etwas Essen zu gehen und mir die Stadt anzusehen.
Ich fahre sogar mit dem Fahrrad hin, da ich etwas außerhalb einquartiert bin und mit den Radschuhen nicht so lange laufen kann.
Auch wenn es evt. streckenweise nicht so klingt, aber auch heute war es ein schöner Tag für mich. Die Anstrengung gehört ja dazu und wenn sie in das Gesamtbild gut reinpasst, dann ist das völlig in Ordnung. Und heute hat es gepasst.
Mal sehen, wie es morgen wird – ca. 1.100 Höhenmeter auf gut 60 Kilometern…ich werde gut frühstücken müssen. 😄














Das war ja ein aufregender Tagesbericht. Wir haben stets
gehofft, dass du nicht stürzt. Für morgen wünschen wir dir eine unfallfreie Fahrt und bessere Wege.
Mama und Papa
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Katrin! It’s Sarah, from the Te Araroa. I was so excited to see you are on another adventure! And thanks to technology, now your blog is translated for me, although I didn’t mind doing my best with the German I know. I got the gist 🙂 You have an ever impressive lightweight pack weight, it looks even lighter than when we met! Happy cycling, enjoy Croatia, and thanks for sharing your adventures ❤️
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Sarah! I’m so happy to hear from you. Hope you’re doing well. I’ll write you an email when I’m back home, hopefully I’ll find your address 😉
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