Buzet – Rovinj

18.05.2026, Tag 3, 72 km, Gesamt: 201,6 km

Was für ein Tag…es sollte die Königsetappe werden – und ist es irgendwie auch, aber anders als gedacht. Aber von vorne.

Ich hatte 61 km vor mir mit drei wahnsinnig steilen Anstiegen. Deshalb konnte ich gar nicht früh genug loskommen und bin schon sieben Uhr gestartet.

Zugegeben, erstmal zum Bäcker in die Stadt, um mich mit frischen Croissants zu stärken – aber danach ging’s dann gleich los, wirklich.

Und wie es losging. 500 Meter nach dem Start begann die erste Bergwertung. Über 6,5 km zog sie sich und beinhaltete mehr als 600 Höhenmeter.

Aber ich hatte Glück, es ging eine asphaltierte Straße hinauf. Also weckte ich meine Muskeln auf und trat ordentlich in die Pedale. Und auch wenn es suuuuper anstrengend war – ich schaffte den ersten, roten Teil des Anstiegs.

Die Steigung wird gar nicht so deutlich, war aber da

Unterwegs bekam ich Unterstützung von einem Hund, der nicht angeleint war und mich ein paar Meter nach oben schob. Also er bellte und rannte hinter mir her und ich machte, dass ich weg kam – perfektes Teamwork 😉

Nach einem erklecklichen Teil des ersten Anstiegs musste ich eine Pause machen – und konnte die Aussicht auf das Tief unter mir liegende Buzet genießen.

Buzet von oben

Dann strampelte ich weiter und kam Stück für Stück nach oben.

Doch dann verließ mich das Glück. Anstatt der asphaltierten Straße weiter zu folgen, sollte ich plötzlich abbiegen – in einen steilen, unbefestigten Waldweg.

Na gut, war ja klar, dass es irgendwann so kommen musste. Also strampelte ich auch hier so gut wie es ging hoch und schob an den steilsten Stellen mein Rad.

Doch das war der App noch nicht anstrengend genug…nach mehreren hundert Metern auf dem breiten Sandweg führte sie mich einen schmalen Wanderweg steil bergauf. Hier war nun wirklich nichts mehr mit fahren.

ohne Worte

Der Weg ist schon zu Fuß mit Rucksack anspruchsvoll, aber mit Fahrrad…gar nicht dafür vorgesehen – die ausgewaschenen Rillen bieten gerade Platz für mich – wo soll da noch mein Rad hin?!?

Ich fluchte in mich hinein und versuchte ohne abzurutschen mit dem Rad da hinauf zu kommen. Dass der Weg nicht enden wollte, versteht sich von selbst.

Ich stellte mal wieder meine Wahl einer Gravelroute infrage und musste immer an die verbleibenden gut 50 km denken, die ich heute noch „fahren“ sollte…mit nochmal zwei solchen Anstiegen wie jetzt.

Nach dem steilen Bergweg kam ein überwuchertes Feld, über welches ich das Rad tragen musste, weil die tiefen Furchen genau quer zu meiner Route verliefen und alles mit spitzen Dornen versehen war und ich keinen Platten bekommen wollte.

Nach gefühlt Stunden stand ich endlich auf einem Weg, den man als Gipfel bezeichnen könnte. Dieses Mal konnte mich die – zugegeben schöne – Aussicht aber nicht so leicht beruhigen.

Ich hatte jetzt tatsächlich für 5 km fast anderthalb Stunden gebraucht! Mein Garmin zeigte mir einen Schnitt von 3,6 km/h an – ich war also langsamer, als wenn ich gewandert wäre.

Nicht, dass mich das nach dieser Tortour überrascht hätte, aber für den Rest der Strecke musste ich mir etwas anderes einfallen lassen, so ging das nicht weiter, wenn ich heute noch ankommen wollte.

Doch zunächst wurde ich doch noch mit einer asphaltierten Abfahrt belohnt, die nur kurz durch ein kleines Schotterstück unterbrochen wurde.

Danach kam die Abfahrt zum Butoniga-Stausee und die war fantastisch! Ich sauste an Weinrebenfeldern vorbei und hatte immer einen tollen Blick auf das blaue Wasser des Sees. Die Straße war glatt und fast autofrei und ich hatte riesigen Spaß. So müsste es immer sein…

Abfahrt zum Butoniga-See

Breit grinsend kam ich unten an, fuhr an der Rückseite der Staumauer entlang und dann gefror mir das Lächeln im Gesicht.

Die App wollte mich im Rahmen der zweiten Bergwertung den nächsten Schotterweg nach oben schicken.

Das war der Zeitpunkt, wo ich das Fahrrad an einen Mast lehnte und die Route umplante. Ich gab an, mit Rennrad unterwegs zu sein und ließ mir eine reine Straßenroute bis nach Rovinj planen.

Die neue Strecke sah ganz gut aus, auch wenn der Garmin nicht in der Lage war, die Länge anzugeben…wo ich langfahren sollte, konnte er mir aber immerhin sagen.

Also schwang ich mich wieder aufs Rad, wendete und fuhr den Rest des Tages nur noch auf mehr oder weniger gut asphaltierten Straßen.

Und es war ein Traum! Genau das richtige für mich. Klar, die Autos nerven manchmal – das war ja überhaupt der Grund für mich, Off-Road zu fahren, um ihnen aus dem Weg zu gehen – aber die meisten Fahrer*innen hielten ausreichend Abstand und es war alles besser, als mein Rad irgendwelche Wanderwege hochzuwuchten.

Ich kam in Livade vorbei, eine „Trüffelstadt“ (Trüffel sind in Istrien eine verbreitete Spezialität und werden hier in allen Farben und Formen angeboten) und machte erstmal wieder Pause. 🙂

Der Rest des Tages verlief so, wie ich mir eine schöne Radtour vorstelle. Ich kam durch nette kleine Örtchen, genoss die Aussicht auf die Umgebung und fuhr in meinem Tempo die meistens wenig befahrenen Straßen entlang.

Und es war ja nicht so, dass keine Anstiege mehr kamen. Mitnichten. Gleich am Anfang der Straßenroute gabs einen langen Anstieg und zum Ende hin auch nochmal einen. Wieder ca. 6 km und 670 Höhenmeter – aber auf der Straße. Und da kurbelte ich mich langsam aber stetig hinauf und beklomm den Berg mit einer Pause und unter Aufbietung aller meiner Kräfte.

Ich munterte mich an den Anstiegen immer damit auf, dass ich diese und größere Steigungen auf meinem Indoor-Bike schon zigmal absolviert hatte…und das half auch. Wenn ich die Prozentzahl der Steigung sah, konnte ich relativ gut abschätzen, wie sich das auf dem Indoorbike anfühlte und ich wusste, dass ich das schaffen kann. Also gab es keinen Grund aufzugeben.

Und hier draußen gab es die fantastischen Aussichten gleich noch dazu.

Nach dem zweiten langen Anstieg hatte ich es dann auch schon geschafft. Jetzt waren es nur noch zehn Kilometer bis Rovinj, immer abwärts und ich hatte wieder riesigen Spaß.

Schon gegen halb zwei kam ich in meiner Unterkunft an, duschte ausgiebig, wusch meine Klamotten, die ich dieses Mal draußen aufhängen konnte. Und dann absolvierte ich eine andere Art von Touri-Programm, indem ich durch die wunderschöne Altstadt von Rovinj spazierte, Sardellen aß, die Sehenswürdigkeiten besuchte und einfach einen entspannten Nachmittag hatte.

Das Leben kann so schön sein. 🙂

Rovinj

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