21.05.2026, Tag 6, 61,6 km Gesamt: 328,1 km
Wie gestern schon angedeutet, steht heute etwas Besonderes auf dem Programm. Das ist auch der Grund, warum ich unbedingt nach Poreč wollte und nicht noch woanders hin gefahren bin.
Denn hier in Poreč beginnt (oder endet, je nachdem) die Parenzana.

Die Parenzana ist heutzutage ein ca. 120 km langer Fahrradweg. Ursprünglich war es eine Bahntrasse für eine Schmalspurbahn, die von 1902 bis 1935 zwischen Triest und Poreč fuhr.
Seit 2004 wurde die Trasse mithilfe von EU-Mitteln als Fahrradweg ausgebaut und bekam den schönen Beinamen „Weg der Gesundheit und Freundschaft“.
Der Weg führt durch die drei Länder Italien, Slowenien und Kroatien, wobei die Strecke in Italien wohl noch nicht so gut ausgebaut und beschildert ist. Das werde ich aber erst morgen genauer wissen.
Aufgrund der guten Befahrbarkeit und den herrlichen Aussichten über die umgebenden Berge und Täler wird die Parenzana als eine der schönsten Radrouten der Welt gehandelt – und das kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen.
Heute steht der kroatische Teil an. Ich fahre bis Grožnjan, also knapp die Hälfte der Gesamtstrecke. In Kroatien ist die Parenzana sehr gut ausgeschildert und durchgehend als Schotterweg ausgebaut. Am Anfang besteht der Untergrund auch oft aus dem roten Sandboden, der so typisch für die Gegend ist.

Und es fährt sich fantastisch 🙂 ich bin den ganzen Tag nur am Grinsen, weil das genau die Art von Strecke ist, die ich gerne fahre. Durch den Schotter wird es nicht langweilig, aber selbst die Abfahrten sind easy, weil das Gefälle natürlich überschaubar ist und die Größe der Steine auch.
Ja ich gebe es zu, für mich untrainierte Couchpotato ist solch eine anspruchslose Strecke genau das richtige. 🙂

Und die Aussichten sind unglaublich. Es gibt zwar auch Strecken zwischen dichten Bäumen, aber meistens bietet sich eine fantastische Fernsicht auf das Tal und die gegenüberliegenden Berge mit malerischen Ortschaften. Oder ich sause durch Olivenhaine und an Weinreben vorbei und bestaune die typisch rote, fruchtbare Erde.

Es macht wirklich Spaß und mir kommen viele gleichgesinnte Radlerinnen und auch ein Wanderer entgegen.
Ab und zu führt die Strecke über ein Viadukt (davon gibt es insgesamt 6 Stück) oder eine Brücke (11 Stück) oder durch einen Tunnel (9).

Wobei sich insbesondere der erste Tunnel Motovun (222 Meter lang) dadurch auszeichnet, dass die Beleuchtung super spät angeht. Die ersten paar Meter sind beleuchtet, aber dahinter sehe ich nur ein schwarzes Nichts – in das ich einfach reinfahre. Ich habe beim Fahrradfahren ja immer Licht an, so dass der Lichtkegel meiner Lampe die nächsten Meter beleuchtet, aber so richtig wohl ist mir nicht. Erst Sekunden später gehen die nächsten Lichter an. Dahinter wieder Finsternis und das Spiel wiederholt sich drei-, viermal, bis ich das Licht am Ende des Tunnels sehe und aus der Röhre wieder in das grelle Sonnenlicht fahre. Ob das so sein soll?


Ich mache immer wieder Pause und genieße die Fahrt. Natürlich bin ich schon wieder viel zu früh am Ziel, schon gegen halb eins erreiche ich Grožnjan. Allerdings darf ich heute schon in mein Appartement. Der Gastgeber ist super nett und freundlich und das Zimmer ist liebevoll eingerichtet.
Ich wasche mich und meine Klamotten und schlendere dann gemütlich durch den kleinen Ort, der als Künstlerdomizil bekannt ist. Und tatsächlich gibt es mehr Galerien und Kunstwerkstätten als Restaurants – und das soll was heißen.

In einem der wenigen Restaurants lasse ich mir Caprese schmecken und nach einem weiteren Spaziergang ist es an der Zeit, aufs Zimmer zurückzukehren.

Morgen steht schon der letzte Tag meiner Radtour an. Jetzt wo ich gerade richtig in Stimmung komme 😉 aber den zweiten Teil der Parenzana werde ich nochmal ausgiebig genießen und dann ist es vielleicht auch erstmal genug mit Radeln.


































