15.08.2026, Tag 6, 32,2 km Gesamt: 154 km
Heute steht die Königsetappe meiner Wanderwoche an. Offiziell sind es 30 km mit 1300 Höhenmetern und der Wanderführer empfiehlt früh loszugehen und ausreichend Proviant mitzunehmen, da es unterwegs nichts gibt.
Leider wird daraus nicht ersichtlich, ob es wenigstens irgendwo Wasser geben wird.
Ich hatte von Anfang an vor, diese Etappe aufzuteilen, das klappt aber natürlich nur, wenn ich unterwegs an Wasser komme.
Zunächst geht es weitere zwei Kilometer auf der Straße entlang am Flattnitzer Moor.

Bis auf ein paar wenige Autos kann ich die morgendliche Stimmung ganz alleine genießen. Wobei es noch ganz schön frisch ist. Aber in Aussicht der sengenden Hitze den restlichen Tag über, genieße ich die Gänsehaut auf meinen Armen.
Das Schild zum Abzweig auf den Wanderweg bestätigt, dass es bis zum nächsten Wasser an der Murauer Hütte eine lange Wanderung werden wird.

Trotzdem freue ich mich auf den Weg und es geht auch gut los durch Wald auf einem breiten Schotterweg, der nur langsam ansteigt.
Dann führen die Markierungen vom Weg ab auf die Wiese und ich stapfe durch das taunasse Gras.
Die provisorische Brücke über den Felfernigbach ist leider weggespült worden und auch zu schwer für mich, so dass ich nach kurzem Überlegen einfach durch das Wasser laufe.

Erinnerungen an Neuseeland werden wach, wo solche Flussquerungen tagtäglich vorkamen.
Die nassen Schuhe und Socken stören auch nicht weiter, da es sowieso noch eine Weile durch hohes, nasses Gras geht und sie sowieso nass geworden wären.
Dann geht es wieder auf einer breiten Schotterstraße durch den Wald und die Steigung wird konstanter.
Als sich die Straße in großen Kehren den Berg hinaufwindet, führt der Wanderweg mehr oder weniger geradeaus direkt den Berg hinauf. So soll das sein! Wenn es das am Abstieg des Wölliner Nock auch gegeben hätte, hätte ich mindestens eine Stunde gespart.
Und der Wald ist so schön! Okay, der erste Abschnitt wurde gerade gerodet und ich stapfe durch die Überreste des Massakers.

Aber danach folgt feinster Waldboden, grünes Moos und Pilze! Jede Menge Pilze in allen Farben, Größen und Formen.






Es ist zwar super steil und ich gehe nur sehr langsam, immer auf die Wanderstöcke gestützt, aber es ist wunderschön.

Als ich die Baumgrenze erreiche, lasst die Steigung auch erstmal etwas nach und nach kurzer Zeit kann ich das erste Ziel – die Prankerhöhe – sehen. Das sind schon noch einige Höhenmeter…

Die ersten Hügel sind noch relativ leicht zu begehen, am finalen Anstieg unterschätze ich die Steigung und Länge aber komplett und laufe viel zu schnell los. Nach kurzer Zeit bin ich komplett außer Atem und muss erstmal Pause machen, um meinen Puls wieder herunterzubekommen.
Danach geht es langsamer (also seeeehr langsam) und in Schlängellinien weiter den Berg hinauf. Der Gipfel will einfach nicht näher kommen. Und zusätzlich muss ich immer darauf achten, nicht in den Stacheldraht zu treten, der hier vom ehemaligen Zaun noch übrig ist und überall herum liegt.

Nach insgesamt 5 Stunden seit meinem heutigen Start erreiche ich dann aber doch den Gipfel – wo die Flugameisen schon freudig auf mich gewartet haben.

Ich schnaufe kurz durch, erfreue mich an dem Rundumblick und mache mich auf den Weg zur Schwarmbrunnhöhe. Diese liegt gleich nebenan, wird aber mal wieder durch einen unnötig tiefen Sattel von mir getrennt.
Unten im Sattel kommen mir zwei WanderInnen entgegen und ich erkundige mich, wo sie gestartet sind. Sie kommen von der Murauer Hütte – und auf Nachfrage wüssten sie nicht, dass es unterwegs irgendwo Wasser gegeben hätte…
Na toll, das sind keine guten Aussichten. Andererseits komme ich bis jetzt sehr gut voran und die Strecke ist auch so schön, dass ich mir vorstellen kann, doch durchzulaufen. Also bis zur Murauer Hütte und dann hinunter nach Murau. Das wäre zwar ein sehr langer Tag, aber er würde im Hotel enden, da ich dann mein Wanderziel erreicht hätte.
Das ist natürlich auch eine schöne Aussicht, die mich jetzt zunehmend antreibt.
Nach der Schwarmbrunnhöhe geht es zunächst auf dem breiten Rücken auf weichem Untergrund leicht absteigend weiter und ich genieße die Aussichten – auf die Berge und auf eine feste Unterkunft?!

Sicher ist es noch nicht und ich möchte mich nicht zu früh freuen. Zumal ich solche Gewaltmärsche ja eigentlich nicht mehr unternehmen wollte. Aber neben der prekären Wassersituation ist es hier oben auch unmöglich, zu zelten. Kein Sichtschutz und vor allen Dingen kein Schatten.
Also spricht mehr dafür, bis nach Murau zu laufen als dagegen.
Ich habe aber erst die Hälfte der Strecke geschafft und zwei Anstiege stehen noch aus.
Und das Wasser ist trotzdem knapp – wenn es erst an der Murauer Hutte etwas gibt, wird das knapp. Vorher kommt aber noch die Turnhofer Hütte und ich kann mir fast nicht vorstellen, dass es dort kein Wasser gibt. Jede Hütte hat eigentlich einen Brunnen…
Dazwischen liegt aber noch ein Anstieg und danach eine lange Wanderung an der Flanke der Ackerlhöhe entlang.
Aber auch dieser Weg ist wunderschön durch dichte Blaubeerbüsche und im Halbschatten der vereinzelten Bäume. Ab und zu pflücke ich mir ein paar Beeren, aber aufgrund der langen Strecke will ich mir nicht die Zeit nehmen, stundenlang Blaubeeren zu pflücken.

Mit knapp einem Liter Wasser erreiche ich die Turnhoferhütte – und natürlich gibt es hier Wasser. 🙂

Schade, dass der Wanderführer so etwas nicht erwähnt, das würde die ganze Wanderung angenehmer gestalten.
Es stehen sogar kalte Getränke zur Verfügung, leider nur Bier, sonst hätte ich sofort zugeschlagen.
Glücklich und super geschafft trinke ich erstmal wieder einen halben Liter und fülle dann meine Reserven auf. Es sind noch ca. 2 Stunden bis zur Murauer Hütte. Ich sollte gegen 17:00 Uhr dort ankommen und hoffe, dort dann etwas zu Essen zu bekommen, damit ich gestärkt runter ins Tal laufen kann.
Frisch gestärkt mache ich mich auf den Weg zum letzten Anstieg meiner Wanderung. es geht weiter durch den Wald und ich habe beste Laune, auch wenn meine Kräfte langsam schwinden.
Dann stolpere ich über eine Wurzel und es passiert Physik: ich falle leicht nach vorne, mein Rucksack nimmt dankbar die Bewegungsenergie auf und will weiter nach vorne marschieren.
Dadurch komme ich nicht hoch, sondern werde erst recht kopfüber nach vorne gestoßen und lande in überraschend hohem Tempo im Dreck.

Na toll…und das am letzten Tag, ist ja klar.
Immerhin kommt dann mein Erste-Hilfe-Set zum Einsatz, welches aus Desinfektionstüchern besteht. Außerdem fällt mir ein, dass ich ja nun die Reinigungstücher nicht mehr brauche und alle benutzen kann.
Gesagt getan und nach einer ausführlichen Reinigung geht’s dann auch endlich weiter.
Der letzte Anstieg geht hoch in Richtung Frauenalpe. Den Gipfel erklimmen wir nicht, kurz vorher soll es einen Abzweig geben, allerdings geht es so lange steil bergauf, dass ich schon daran zweifle, dass wir den Gipfel wirklich auslassen.
Am Murmeltierfelsen gibt es dann doch die ersehnte Trennung – ich erwische aus Unachtsamkeit aber doch den Weg nach oben und stapfe ca. 300 Meter zu weit den Berg hinauf, bevor ich feststelle, dass ich falsch bin.
Menno, irgendwie komme ich der Hütte nicht näher, wenn ich so weitermache.
Ich weiß immer noch nicht, ob die Murauer Hütte heute auf hat und wenn ja, wie lange die Küche offen ist. Ich komme frühestens 17:00 Uhr an – wenn die dann genau schließen wäre das mal wieder typisch für mich.
Tapfer wandere ich weiter über Stock und Stein und durch die schönen Wälder hindurch.
Dann geht es auf einer Schotterstraße bergab und 5 vor 5 biege ich um eine Ecke und tadaa

Die Murauer Hütte – endlich!
Jetzt muss es nur noch etwas zu Essen geben und ich bin glücklich.
Ich habe ausnahmsweise mal Glück. Schließtage sind Dienstag und Mittwoch und Küche ist bis 18:00 Uhr geöffnet.
Ausreichend Zeit, um mir einen leckeren Salat zu kredenzen.
Ich hätte zwar noch eigenen Proviant gehabt, aber das trockene Zeug kann ich langsam nicht mehr sehen und zum Abschluss der Wanderung ist ein steierischer Salat mit Kernöl doch sehr angemessen.

Während ich auf den Salat warte, buche ich mir in Murau ein Zimmer.
Es dauert nochmal anderthalb Stunden, bis ich unten bin, aber nach einem langen Wandertag habe ich auch die letzten Meter des Salzsteigweg bewältigt.
Und ich muss sagen, die heutige Etappe ist zwar die längste, aber auch die schönste der gesamten Woche gewesen.













Das war wieder eine aufregende und spannende Beschreibung der letzten zwei Wandertage. Den Ruhetag hast du dir mehr als verdient. Sei ganz herzlich gegrüßt von den Pankowern.
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