Salzsteigweg: Winkleralm – Flattnitz

14.08.2026, Tag 5, 26,3 km, Gesamt: 121,8 km

Die Ameisen sind pünktlich zum Sonnenuntergang schlafen gegangen und die meisten schlafen länger als ich. Das gibt mir die Möglichkeit, unbehelligt alles einzupacken und keinen der kleinen Racker aus Versehen mitzunehmen.

Der Tag geht wieder gut los. Die letzten vier Kilometer nach Turracher Höhe verlaufen durch schönstes Wandergebiet. Saftige Wiesen, duftende Heidesträucher, voll behangene Blaubeerbüsche und zwitschernde Vögel begleiten mich in den Tag. Die Sonne ist schon aktiv, steckt allerdings noch hinter den Bergen fest, so dass es bei mir angenehm frisch ist und ich gespannt darauf warte, wann ich die Sonnengrenze überschreite.

Nach einem sehr schönen Wiesen- und Waldstück geht es hinaus und ein kurzes über eine Skiloipe.

Die Bergstation der Kornock-Seilbahn hatte ich gestern schon von der anderen Seite hoch oben auf dem Gipfel thronen sehen. Heute komme ich an der Strecke vorbei.

Der Abzweig von der Loipe zurück in den Wald gefällt mir irgendwie. 🙂

Gegen 08:00 Uhr erreiche ich Turracher Höhe, welches sich als typischer Wintersportort entpuppt. Anfangs dachte ich bei dem Namen immer, dass es sich um einen Gipfel handelt, aber nein. Zig Ferienhütten und -Häuser reihen sich aneinander, unten am See gibt es die notwendige Infrastruktur in Form von Restaurants und Sportgeschäften.

Ich hatte seit zwei Tagen keinen Internetempfang mehr an meinen Zeltplätzen, so dass ich jetzt hier eine Pause einlege, Lebenszeichen absetze und die letzten Artikel für dieses Blog hochlade.

Nach einer Stunde geht es weiter.

Zunächst am silbern glänzenden Turracher See entlang und direkt dahinter sehr steil hinauf auf den Schoberriegel.

Schon nach ein paar steilen Kehren haben wir ordentlich an Höhe gewonnen und See und Ort liegen weit unter uns.

Turracher See

Auch hier ist einiges los. Viele Tageswanderer sind vor- und hinter mir und wir alle stapfen keuchend und schwitzend den schönen Weg empor.

Wie es bei den Bergipfel so üblich ist, steht das Gipfelkreuz relativ weit hinten und man denkt immer schon bei jedem Hügel vorab, dass das Ziel endlich erreicht sei.

Eine Stunde nach Beginn des Anstiegs habe aber auch ich es geschafft und stehe glücklich und schnaufend auf dem Schoberriegel.

Auch von hier ist die Aussicht in alle Himmelsrichtungen auf die Alpen traumhaft.

Und ich kann schön die weiteren Gipfel erkennen, über die mich mein Weg heute noch führt.

Da geht es weiter

Ich hatte ja auf eine etwas entspanntere Etappe gehofft, da der Anstieg zum Schoberriegel der längste und steilste war und es sich jetzt nur noch sanft über die Kämme ziehen sollte, aber wenn ich mir den weiteren Verlauf so ansehe, kann ich noch keine Entspannung sehen.

In praller Sonne geht es hinüber zum Gruft und von dort erst unnötig weit hinab in den Weitentalsattel, bevor es wieder hoch zur Kaserhöhe und Hoazhöhe geht.

Die Aussichten bleiben fantastisch, es bleibt aber auch dabei, dass es nicht ein winziges Fitzelchen Schatten gibt. Pralle Sonne den gesamten Tag über, ob das gut geht?

Kaserhöhe

Und eine ruhige Pause ist auf den Gipfeln auch nicht möglich, da sich diese fest in der Hand von Flugameisen befinden. Und die sind deutlich unangenehmer als ihre Waldgenossen.

Die Flugameisen sitzen schon auf mir und meinen Sachen, bevor ich richtig angekommen bin. Und wenn sie dann in der Sonnenmilch-Schweiß-Emulsion auf meiner Haut kleben bleiben, bekommen sie Panik und beginnen zu beißen.

Also spaziere ich über den Gipfel und esse im Gehen, damit ich selbst noch etwas abbekomme.

Auf dem Hoaz stehend schaue ich hinüber zur Bretthöhe. Der vorletzte Gipfel für heute.

Der Sattel zwischen mir und dem nächsten Gipfelkreuz ist aber so tief unten und der Aufstieg sieht super steil aus – wie soll ich da je hochkommen?!?

Blick zur Bretthöhe

Ich rechne mit nicht weniger als einer Stunde und zahlreichen Pausen, bevor ich drüben bin.

Also nochmal tief Luft geholt und rein in den steilen Abstieg.

In engen Serpentinen rutsche und klettere ich auf dem steinigen Pfad hinab und bin schon nach 13 Minuten unten. Okay, der einfachere Teil wäre geschafft.

Dann geht es wieder hinauf und ich versuche ein langsames, stetiges Tempo einzuhalten.

Ein sehr langsames Tempo.

Hier gibt es immer wieder schöne Blümchen, die fotografiert werden wollen. Was bedeutet stehen bleiben, Handy rausholen, Linsen reinigen, Motiv wählen, abdrücken, Handy wieder einpacken, weitergehen…ansonsten hätte ich die Pausen natürlich nicht gebraucht, aber wer kann solch tollen Motiven widerstehen!

Erfreulicherweise stellt sich der Anstieg als gar nicht so super dramatisch heraus. Ich komme gut voran und bin schon nach 18 Minuten oben angelangt. Und heilfroh, dass das geschafft ist.

Jetzt folgt noch ein letztes auf und ab hinüber zur Lattersteighöhe und danach geht es nur noch bergab. *Juchhuuu*

Das dann zwar für sehr lange Zeit – elf Kilometer sind es teils auf dem Kammweg teils steil im Wald hinab, aber es geht runter, das ist alles, was ich jetzt brauche.

Lattersteighöhe und Kammweg bis ganz nach hinten

Also eine letzte Anstrengung hinauf zur Lattersteighöhe.

Von hier oben soll eigentlich der Gurkursprung zu sehen sein. Andere Wanderinnen zeigen auch auf eine grüne Stelle im Tal. Wasser kann ich jedoch keines entdecken, scheint ausgetrocknet oder zumindest sehr zurückhaltend zu sein die Gurk.

Also nochmal kräftig mit Sonnenmilch eincremen und dann freue ich mich auf den Kammweg.

Es geht sieben Kilometer immer am Hang entlang und meistens leicht abfallend.

Ich genieße die Strecke und kann meine Beine etwas lockern nach dem ganzen Gekraxel.

Allerdings zieht es sich irgendwann dann doch ganz schön. Und ich habe den Fehler gemacht, meinen Sonnenschirm erst viel zu spät aufzuspannen. Durch die frische Brise, die ab und zu über die Gipfel zieht, spüre ich die brennende Hitze nicht so stark und fühle mich mit dem Sonnenhut ausreichend behütet. Das scheint aber nicht der Fall zu sein, da ich zunehmend schwächer werde und auch leichte Übelkeit auftritt.

Da es auch auf dieser Etappe keinerlei Wasserquellen zwischendurch gab, kann ich auch nicht so viel trinken, wie ich möchte.

An einer Kreuzung gehe ich fest davon aus, dass es sich dabei um die Haidner Höhe handelt. Aber leider wird diese dort mit weiteren 45 Minuten ausgeschildert! Ach menno…Ich kann nicht mehr und habe nur noch wenig Wasser. Bis nach Flattnitz sollen es noch zwei Stunden sein!

Das Problem ist, dass ich nicht einfach vorher anhalten kann, da es kein Wasser gibt und ich deshalb unbedingt bis zum Ort kommen muss.

Also stapfe ich missmutig weiter und komme jetzt endlich auf die Idee, den Sonnenschirm auszupacken.

Hinter der Haidner Höhe geht es dann endlich in den Wald und schon nach kurzer Zeit spüre ich, wie gut der Schatten tut und wie stark die Sonne wirklich gebrutzelt hat.

Meine Kräfte kehren langsam zurück und ich fühle mich deutlich besser. Jetzt kann ich in den Automatikmodus schalten und einfach nur weiterlaufen.

Ich hege eine leise Hoffnung, in Flattnitz vielleicht meinen Proviant um eine Tüte Gummitierchen erweitern zu können. Heute Morgen in Turracher Höhe gab es einen 24h-Shop, in welchem in den Automaten allerlei Leckereien, aber auch nützliche Dinge zu haben waren.

Da konnte ich noch widerstehen, aber der Gedanke an die Süßigkeiten begleitet mich den ganzen Tag und ein paar mehr Kohlenhydrate kann ich auf dieser Strecke gut gebrauchen.

Aber ob am Freitag 17:00 Uhr in Flattnitz noch etwas offen hat? Ich werde es sehen und versteife mich nicht zu sehr darauf – kenne ja mein Glück in dieser Hinsicht.

Nach nochmals eine Stunde steil bergab im Wald geht es endlich hinaus ins Tal und ich sehe gegenüber Flattnitz.

Das wurde aber auch Zeit…

In einem großen Bogen erreiche ich die Kirche, die aber noch nichtmal einen Friedhof und damit auch keinen Wasserhahn hat. Außerdem gibt es hier nur ein paar wenige Häuser und einen Landgasthof, in welchem ich zumindest meine Wasservorräte auffüllen kann.

Aber von einem Laden ist hier weit und breit nichts zu sehen..nun gut, dann eben keine Gummitierchen, war ja klar.

Als ich weiterlaufe komme ich zwar erst in den eigentlichen Ortskern, aber auch hier keinerlei Läden, nur Unterkünfte, Restaurants und Tennisplätze.

Ich habe meine vollen vier Liter Kapazität aufgefüllt, da morgen wieder eine lange wasserlose Strecke wartet und latsche jetzt in meinem Automatikmodus noch zwei Kilometer die Straße entlang, bevor ich mich in einem ruhigen Waldstück niederlasse.

Also von entspanntem Tag kann heute keine Rede gewesen sein. Aufgrund der Hitze und Länge war es mit der anstrengendste bisher.

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