Salzsteigweg: Moschelitzenalm – Winkleralm

13.08.2026, Tag 4, 20,7 km, Gesamt: 95,5 km

Ich habe wunderbar geschlafen. Trotz der etwas erzwungenen Situation hatte ich mir Abends ein perfektes Plätzchen auf weichem Moosboden gesucht und konnte ungestört schlafen.

Wie immer stehe ich sechs Uhr auf und gehe sieben Uhr los.

Als ich wieder an der Stelle ankomme, wo ich gestern von dem Ranger wegbeordert wurde, schaue ich auf den Tracker: 1,8 km und mehr als 300 Höhenmeter musste ich heute nochmal gehen! So bin ich auch schon leidlich geschafft, als es an den eigentlichen Anstieg geht.

Außerdem hat mich der doppelte Umzug gestern Abend noch einiges an Wasser gekostet, welches mir heute fehlt. Ich habe nur noch zwei Liter übrig und werde erst sehr spät wieder an einer Hütte vorbeikommen…das wird auf jeden Fall knapp.

Doch zunächst geht es sehr steil hinauf zum Rödresnock und von dort weiter zum Falkert.

Ich habe ganz schön zu kämpfen, und die Blaubeerbüsche am Wegesrand können mir mangels reifen Früchten auch nicht viel helfen.

Irgendwann stehe ich aber pustend auf dem Gipfel und kann nochmal hinunterschauen auf Wiedweg und in das ganze Tal.

Ich habe schon fast einen Liter getrunken und muss mir das restliche Wasser jetzt wirklich einteilen.

Als ich nach einer ausgiebigen Pause weitergehe, stelle ich fest, dass ich noch gar nicht auf dem Rödresnock bin, sondern ein paar Meter unterhalb auf dem Schwarzkofel.

Nun gut, das soll nicht das Problem sein und ich erklimme nun den richtigen Gipfel.

Von dort geht es auf einem wunderschönen Kamm leicht ab und wieder hinauf auf einen weiteren Gipfel, bevor es über die Falkertscharte zum Falkert geht.

Über die Scharte geht es hinauf zum Falkert

Für den Aufstieg gibt es zum Glück zwei Optionen – ich nehme die nicht so steile, einfachere. 🙂

Oben ist ganz schön was los, viele Wanderer kommen aus Falkertsee, welches sich am Fuße des Falkert befindet.

Falkert

Auch von hier kann ich schön den weiteren Weg sehen. Ich habe nur noch knapp einen Liter Wasser und es sind noch sieben Kilometer bis zur Priesshütte…die Sonne wird immer sengender und auch wenn es jetzt überwiegend bergab geht, werde ich noch mindestens 2 Stunden – eher mehr – benötigen.

Nun gut, kann ich ja nicht ändern. Ich trinke nur alle paar Minuten einen Schluck und hoffe auf ein Wunder.

Der Weg führt zunächst wieder über einen schönen Kammweg, bevor es stetig nach unten geht und wir auf einer großen Wiesenlandschaft ankommen.

Es sieht wunderschön aus, mit ausreichend Wasser hätte ich es aber noch mehr genießen können.

Wobei ich noch nicht so verzweifelt bin, dass ich das Bachwasser trinke. Ich weiß schließlich, an wie vielen Kühen und Pferden ich oben vorbeigekommen bin.

Ich habe nur noch ein paar Schlucke übrig und ein Blick auf die Karte zeigt mir, dass es noch ewig hin ist bis zur Hütte.

Tapfer wandere ich weiter durch wirklich wunderschöne Landschaft mit vielen verschiedenen Büschen und Blüten.

Hinter einer Kuppe taucht unvermittelt eine Hütte auf. Ist das die Priesshütte? Nee, kann nicht sein und sieht auch unbewohnt aus. Aber erfahrungsgemäß gibt es an jeder Hütte eine Wasserquelle.

Aueringhütte – meine Rettung

Hoffnungsvoll nuckel ich den letzten Schluck aus meiner Trinkblase und umrunde die verschlossene Hütte. Und tatsächlich kommt ein dünner Strahl frischen Wassers aus dem Brunnen.

Ich bin gerettet. 🙂

Ich trinke erstmal direkt einen Liter und fülle dann meine Flaschen auf. Außerdem mache ich ausgiebig Pause.

Dann geht es weiter und ich merke die Kräfte zurückkehren. Dehydration ist schon nicht so lustig irgendwie…

Ich brauche noch 50 Minuten bis zur Priesshütte und verbringe die Zeit damit zu überlegen, ob ich dort lieber Almdudler oder Hollunderbrause trinken will.

Ich müsste mal kurz vorbei, bitte?

Ich komme zu keinem Ergebnis und will mich vor Ort spontan entscheiden.

Nach einer wunderschönen Wanderung im Tal und einem kurzen Stück an der Nockalmstraße entlang, thront die Priesshütte etwas erhöht am Straßenrand.

Freudig stapfe ich die letzten zwanzig Meter nach oben und lese auf dem Schild – dass heute geschlossen ist. 🙁

Priesshütte

Ach menno, ich habe mich so auf eine Limo gefreut. Essen habe ich genügend mit, aber mal etwas anderes als Wasser wäre auch schön gewesen.

Der Wanderführer macht schon von Anfang an keine gute Figur, was die Infos angeht. Die Walderhütte ist dauerhaft geschlossen, wird aber als Etappenziel angegeben. In Wiedweg gibt es entgegen der Behauptung doch Unterkünfte und nun die Priesshütte, die laut Wanderführer im Sommer jeden Tag offen hat.

Wenn ich doch alles selbst recherchieren muss, wozu brauche ich dann den Wanderführer? Stand soll Ende 2024 sein, das scheint mir aber fraglich.

Nun gut. Ich fülle also nur Wasser auf, mache kurz unter einem Baum Pause und marschiere weiter.

In meinem Kopf war der Anstieg zum Falkert der letzte große Anstieg für die nächsten zwei Tage gewesen, aber das ist natürlich relativ…das Höhenprofil im Buch weißt schon noch einige Anstiege auf, die aber nicht ganz so extrem lang und steil sind wie die der letzten drei Tage.

Und so geht es mal wieder nach oben…aber tatsächlich in einem erträglichen Neigungswinkel und ich bin plötzlich super kraftvoll und fühle mich super fit. Was so ein Liter Wasser für positive Auswirkungen haben kann – erstaunlich.

Es geht in Richtung Pregartscharte und auch wenn die Steigung nicht ganz so extrem ist, ziehen sich die knapp fünf Kilometer irgendwann doch ganz schön. Ständig denke ich, das ist jetzt hier die Pregartscharte, aber das Schild kommt erst deutlich später, wo ich schon gar nicht mehr damit gerechnet habe.

Pregartscharte

Es bleibt aber dabei, dass es eine wunderschöne Gegend ist und ich genieße den Weg, auch wenn meine Kräfte langsam wieder schwinden. Die knallende Sonne tut ihren Teil dazu.

Nach der Pregartscharte geht es weiter in Richtung Winkleralm und ich habe vor, dahinter irgendwo anzuhalten. Bis zur Turracher Höhe schaffe ich es nicht mehr, da dort nochmal ein Anstieg dazwischenkommt und außerdem scheint das ein „Wander- und Ski-Ort“ zu sein, in dem es wahrscheinlich sehr trubelig zugeht.

Ich suche mir ein wirklich sehr verstecktes Plätzchen, weit weg vom Wanderweg und muss damit leben, dass sich die einzig ebene Stelle im Ameisenland befindet. Meine Schuhe und alles was draußen vor dem Zelt liegt ist in Sekunden von den kleinen Rackern eingenommen und ich brauche immer ewig, um sie abzuschütteln.

Aber egal, ein sehr schöner Tag neigt sich dem Ende und ich habe jetzt schon gut die Hälfte der Strecke geschafft.

Morgen könnte evt. ein etwas entspannterer Tag sein, zumindest scheinen es nicht ganz so viele Höhenmeter zu werden. Heute standen wieder 1500 Meter auf der Uhr.

Ein Gedanke zu “Salzsteigweg: Moschelitzenalm – Winkleralm

  1. Anonymous schreibt:
    Avatar von Unbekannt

    Liebe Katrin, das waren aufregende Tage, die du hinter dir hast. Zusätzliche Wege und einen wanderunfreundlichen Naturwächter braucht wirklich keiner, du erst recht nicht.Aber du hast es geschafft ans Ziel zu kommen. Gratulation. Habe die nächsten Etappen mehr Glück und versuche, dich nicht zu verlaufen. Habe noch ganz viele schöne Erlebnisse vor dir. Vielleicht triffst du doch mal andere Wanderer. Ein Erfahrungsaustausch

    ist doch ganz toll. Sei lieb gegrüßt von den Pankowern

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