Ofterschwang – Fischen – Oberstdorf – Oytal

19.08.2021, 4. Tag, 32 km, Gesamtdistanz 103 km

Die erste trockene Nacht auf dieser Tour und ich habe wieder wunderbar geschlafen. Da ich erst um halb elf Uhr die Augen zugemacht habe, werde ich um sechs Uhr von der Kirchenglocke aus einem festen Schlaf geweckt und könnte ruhig noch liegenbleiben. Aber es ist schon hell und ich möchte hier nicht zu lange stehen.

Also die morgendliche Routine abspulen, die hauptsächlich aus Zähne putzen, neue Blasenpflaster kleben und zusammenpacken besteht und dann gehts auch schon los.

Ich rechne heute mit einer wenig aufregenden Strecke, die wahrscheinlich viel auf Asphaltstraßen entlangführen wird. Deswegen habe ich heute auch zum ersten Mal die Kopfhörer ausgepackt und höre Podcasts.

An der Kirche in Ofterschwang mache ich aber erstmal Halt und wasche unter dem Wasserhahn meine Socken und Unterhose. Da es heute den ganzen Tag über trocken und teilweise sonnig sein soll, können sie schön trocknen, indem ich sie außen am Rucksack befestige.

Von Ofterschwang geht es gut zehn Kilometer durch verschiedenste kleine Ortschaften bis nach Fischen. Der Weg überrascht mich positiv, da es zumindest nicht ausschließlich Straßen sind und der Asphaltanteil relativ gering ausfällt – zumindest für so eine Straßenetappe.

Allgäuer Hausschmuckstück

In Weiler, ein Kilometer vor Fischen, ist es dann endlich soweit – ich hole das Sonnenspray heraus. Dachte schon, ich habe die große 200ml-Flasche ganz umsonst mitgeschleppt. Letztes Jahr hatte ich zu wenig mit und musste nachkaufen. Dem wollte ich dieses Mal zuvorkommen, aber eine kleinere Menge hätte wohl auch gereicht.

Allerdings muss ich feststellen, dass die Pumpe kaputt ist. Es kommt einfach nichts raus. Toll…letztendlich behelfe ich mir damit, die Flasche aufzuschrauben und das flüssige „Spray“ direkt aufzutragen, aber so macht das natürlich keinen Spaß.

Gegen halb zwölf erreiche ich Fischen. Ein nettes kleines Örtchen, in welchem ich die ersten Postkarten kaufe und mein Wasser auffülle. Dann gehts aber auch schon weiter.

Jetzt sind es noch 14 km bis nach Oberstdorf und bis auf einen kleinen Anstieg in einem Waldstück, ist auch diese Strecke flach, aber ganz schön.

Kurz vor Oberstdorf komme ich am Illerursprung vorbei. Die Iller entsteht durch das Zusammentreffen von drei Gebirgsbächen: Trettach, Stillach und Breitach.

Iller-Ursprung

Hier ist natürlich einiges los und schon auf den letzten Kilometern sind mir viele Wanderer und Fahrradfahrer begegnet. Letztere fast ausschließlich auf Elektro-Bikes. In Oberstdorf komme ich dann auch an dem E-Bike-Verleih vorbei, der Quelle der flotten Räder.

Gegen 14 Uhr erreiche ich das Ortszentrum, an dessen Trubel ich mich erst wieder gewöhnen muss. In den letzten Tagen war es ja sehr ruhig gewesen und ich in keinen größeren Ortschaften.

Ich suche ein Restaurant, in welchem ich neben einem leckeren Salat auch Zugang zu einer Steckdose habe. Jetzt ist aber genau die Zeit der Nachmittagspause, die meisten Restaurants schließen um 14:00 Uhr und öffnen wieder um 17:00 Uhr. Lediglich Eis und Kuchen könnte ich an jeder Ecke bekommen, möchte ich aber nicht.

Ich fülle im örtlichen Supermarkt meine Snackreserven mit Snickers auf, da es keine Energieriegel gibt, und finde dann nach einigem Suchen endlich einen ganztägig geöffneten Italiener.

Meine Frage, ob ich drinnen sitzen und eine Steckdose nutzen könnte, beantwortet die Kellnerin, indem sie zielstrebig reingeht und mir sofort einen Tisch etwas weiter hinten zuweist, über dem drei Steckdosen an der Wand angebracht sind. Ich gewinne den Eindruck, dass ich nicht die erste Gästin mit diesem Sonderwunsch bin.

Glücklich stöpsel ich meine Gerätschaften ein und bestelle einen Bauernsalat. Der fällt zwar etwas kleiner aus, als ich es mir vorgestellt habe, aber ist lecker und Brotbeilage gibt es ja auch noch.

Ich versuche möglichst langsam zu essen, damit die Akkus genug Zeit zum Aufladen haben. Plane die nächsten Tage und schreibe Postkarten, aber irgendwann will ich die Gastfreundschaft nicht weiter strapazieren und verlange die Rechnung, auch wenn noch nicht alles voll geladen ist.

Ich habe trotzdem genügend Strom für die nächsten Tage. Und wie ich eben bei der Planung festgestellt habe, werde ich wahrscheinlich schon am Montag in Pfronten, dem Zielort der Himmelsstürmer-Route, ankommen! Dort plane ich dann eigentlich einen Ruhetag, bevor ich auf dem Maximiliansweg weiterwandern möchte. Aber eine kurze Recherche im Internet zeigt, dass es fast keine bezahlbaren Unterkünfte in der Gegend gibt…muss ich mir wohl noch etwas einfallen lassen.

Nach zweieinhalb Stunden Aufenthalt in Oberstdorf mache ich mich wieder auf den Weg und schlendere vorbei an der Nebelhornbahn und den berühmten Ski-Sprungschanzen in Richtung Oytal.

Skisprungschanzen Oberstdorf

Und das ist richtig, richtig schön! Ein langgestrecktes Tal, bewachsen mit saftigen, blühenden Wiesen, eingerahmt von majestätischen Bergen.

Oytal

Wenn ich morgen nicht da hoch müsste, wäre meine Freude über den schönen Anblick aber wahrscheinlich noch etwas größer. Ich scanne beeindruckt die Felswände ab und kann mir nicht vorstellen, wo es dort oben lang gehen soll, aber das werde ich morgen wohl herausfinden.

Irgendwo da muss ich morgen hoch und auf die andere Seite…

Die Suche nach einem gut geschützten Platz für mein Zelt ist hier etwas anspruchsvoller, weil noch einige Personen unterwegs sind und das Tal nicht ewig breit ist. Aber am Ende finde ich in einem kleinen Wäldchen am Fluss einen idealen, nicht einsehbaren Platz und bin mal wieder glücklich.

Morgen geht es auf über 2.000 Meter Höhe…es soll trocken bleiben und ich freue mich drauf, auch wenn es wohl sehr anstrengend werden wird.

Ein Gedanke zu “Ofterschwang – Fischen – Oberstdorf – Oytal

  1. Anonymous schreibt:
    Avatar von Unbekannt

    Wieder ein spannender und humorvoller Bericht von Dir. Grossartig. Habe vielen Dank
    für deinen Kartengruss.
    Liebe Grüsse von Mama und Papa

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