Höhe – Leutkirch

04.07.2020, Tag 7, 21 km, Gesamtdistanz 191 km

Während ich das hier schreibe, liege ich zwischen weißen Laken in einem gut gepolsterten Bettchen in meinem eigenen Zimmer und bin sauber, satt und zufrieden. 🙂

Ich bin heute – wie gestern Abend spontan entschieden – in einer Pension eingekehrt, allerdings nicht die, die ich über ein Onlineportal reserviert hatte. Als ich nämlich gegen 12:00 Uhr in Leutkirch ankam und nachgesehen habe, ab wann ich einchecken kann, musste ich lesen, dass das erst ab 17:00 Uhr möglich war! Was soll das denn bitte?!? Erstens würde ich dann noch fünf Stunden in meinem nicht ganz frischen Zustand im Ort verbringen müssen und zweitens hätte ich dann gar nicht genug Zeit für all die Dinge, wegen derer ich überhaupt einkehre! Wäsche waschen und trocknen und Füße hochlegen nämlich.

Ich war ziemlich geknickt als ich las, dass auch die zweite Pension, die ich gestern ins Auge gefasst hatte, erst ab 17:00 Uhr den Check-In vorsah…aber so schnell wollte ich nicht aufgeben und ging einfach direkt hin, die Pension „zur Linde“ war nämlich gleich in der Nähe.

Und ich hatte Glück! Meine Hoffnung, wenigstens „schon“ ab 14:00 oder 15:00 Uhr einchecken zu können wurde übertroffen, da ich sofort ein Zimmer haben konnte! Und dass es zur Zeit Sonntags kein Frühstück gab, kam mir auch eher entgegen, da ich ja sowieso früh los wollte.

Also schnell die andere Reservierung storniert und glücklich erstmal meinen Kram im ganzen Zimmer verteilt.

Einen großen Balkon mit Wäscheleine hatte ich auf der Etage auch schon entdeckt und so verbrachte ich die nächsten zwei Stunden damit alle meine Klamotten bis auf die Windjacke und das Buff (Schlauchtuch) und mich selbst gründlich zu waschen.

Danach schlüpfte ich erstmal in das frisch gemachte Bett und wartete darauf, dass die Klamotten trockneten. In der Zeit konnte ich auch nochmal den Vormittag Revue passieren lassen.

Dafür, dass gestern so ein schöner Tag war, hatte ich erstaunlich schlecht geschlafen und war ständig wach gewesen. Woran das genau lag, weiß ich nicht.

Und morgens entdeckte ich als erstes zwei Tramper, die mitgenommen werden wollten und es sich zu diesem Zweck schon in meinem Schuh bequem gemacht hatten:

der Alptraum wird wahr

Das war jede Nacht mein Horrorszenario – dass ich barfüßig in meine Schuhe schlüpfe um Pinkeln zu gehen und dann irgendwas in den Schuh gekrabbelt ist! Deswegen schüttel ich meine Schuhe auch jedes einzelne Mal aus, bevor ich sie anziehe – aber hier hätte auch Schütteln nicht geholfen. Zum Glück war es schon hell und ich konnte die dicke, fette Nacktschnecke und den kleinen, schlanken, schwarzen Bruder rechtzeitig erkennen.

Na toll, ich musste doch pinkeln! Aber so habe ich die beiden zunächst aus meinem Schuh komplimentiert – damit auch die Mitreisegelegenheit verwehrt – und bin erst nach dem Einsatz diverser Reinigungstücher in die Schuhe geschlüpft.

Der Vormittag war dann aber ganz normal und sehr schön. Der Weg führte zunächst den Berg hinunter in das Glasmacherdorf Schmidsfelden, wo es bunt glitzerte und glänzte, als die Sonne auf die Kunstwerke traf.

Danach ging es durch wunderschöne Waldstücke bis nach Leutkirch, wo die Strecke auch nochmal einen Bogen beschrieb, um am Stadtweiher vorbei und durch den Stadtpark zu führen, bevor ich in der Altstadt stand, wo die Geschichte mit der Unterkunft und dem Wäschewaschen weiterging.

Stadtweiher Leutkirch

Nach einer guten Stunde waren die ersten Sachen trocken und ich ging nochmal raus. Eigentlich wollte ich jetzt Ansichtskarten kaufen, aber da hatte ich die Allgäuer überschätzt. Es war kurz nach 16:00 Uhr am Samstag und bis auf Restaurants und Eisdielen hatte alles geschlossen. Zum Glück hatte ich die Blasenpflaster gleich nach Eintreffen im Ort gekauft!

Dann also nur etwas Essen…zur Feier meines gereinigten Körpers wollte ich mir etwas Besonderes gönnen und so steuerte ich die nächste Eisdiele an 🙂

Mein erstes Eis in diesem Urlaub! War zwar nicht umwerfend außergewöhnlich, aber erfrischend und lecker und ich schlappte zufrieden und glücklich in mein Bettchen zurück.

Morgen gehts dann weiter und wenn meine Planungen passen, sollte ich bereits am Donnerstag die „Leiter“ zwischen der Wiesengänger- und der Himmelstürmer-Route passieren. Das würde bedeuten, dass dann die ersten richtigen Berge auf mich warten. 🙂

Ein Gedanke zu “Höhe – Leutkirch

  1. Anonymous schreibt:
    Avatar von Unbekannt

    Regen hattest Du nun genug und wir wünschen Dir für die weitere Tour Trockenheit
    und etwas Bewölkung. Komme gut die Bergwege hoch und heil wieder runter.
    Viel Freude weiterhin.
    Liebe Grüße
    Mama und Papa

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Anonymous Antwort abbrechen