Perth – Melbourne

21.09. – 09.10.2017

Die Rückfahrt am Freitag beginnt mit einer Busfahrt von Albany nach Bunbury. Dabei fahre ich die Strecke, die ich in den letzten Wochen gelaufen bin, in wenigen Stunden zurück und komme an vielen Ortschaften vorbei, die ich zu Fuß passiert habe.

Dann geht es mit dem Zug weiter. Die Strecke kenne ich schon von meinem Ausflug nach Perth ab Balingup – sowohl der Bus als auch der Zug fahren nur einmal täglich, ich bin also wieder um kurz nach 17:00 Uhr in der Stadt.

Mein treues Auto wartet wie gewohnt auf mich und springt auch sofort an – im Grunde ist es wirklich ein tolles Gefährt, wenn es nicht seit einigen Wochen so laute Geräusche von sich geben würde.

Mit dem Abschluss der Wanderung habe ich auch innerlich mit meinem Australienabenteuer abgeschlossen. Ich habe unglaublich viel gesehen und erlebt und freue mich jetzt aufrichtig, langsam den Weg in Richtung Heimat anzutreten.

Es bleibt nur noch eine Sache zu tun – ich muss das Auto verkaufen.

Und das liegt mir schon seit längerem im Magen, ist mir doch bewusst, dass das nicht so einfach wird. Um es überhaupt loszubekommen, muss ich es auf jeden Fall reparieren lassen.

Da ich Freitags in Perth angekommen bin, konnte ich übers Wochenende nichts in dieser Angelegenheit tun und natürlich hatte ich „Glück“ und der Montag war mal wieder ein Feiertag. Dieses Mal wurde der Geburtstag der Queen gefeiert…

Nach drei Tagen, die ich nutzte, um mir nochmal Perth anzusehen und die ausgiebigen Regenzeiten in der Bibliothek am Computer zu verbringen, konnte ich am Dienstag dann endlich einige Werkstätten anfahren.

Immerhin waren sich alle darüber einig, was defekt war – die lauten Geräusche kamen vom defekten Auspuff, das Mittelstück musste erneuert werden. Und das starke Ruckeln im Leerlauf und beim Beschleunigen hatte was mit den Zündkabeln zu tun.

Am Mittwoch fand ich dann eine Werkstatt, die alle Arbeiten zu einem relativ günstigen Preis vornahm und wartete gleich vor Ort, bis das Auto fertig war.

Leider eröffnete mir der Mechaniker hinterher, dass die Erneuerung der Zündkabel zwar bewirkt hat, dass jetzt wieder fünf der sechs Zylinder arbeiten – vorher waren es nur drei gewesen – aber um den sechsten Zylinder wieder fit zu bekommen, müsste noch eine Zündspule ausgetauscht werden. Das war mir aber zu teuer und ich habe erstmal darauf verzichtet. Der unrunde Lauf hatte sich auch nicht wirklich verbessert, was mich ein wenig ärgerte, aber nicht zu ändern war.

Ich hatte parallel das Auto auch schon im Internet annonciert. Es stellte sich heraus, dass zwar durchaus Nachfrage vorhanden war, es aber sehr aufwendig und teuer ist, ein Auto, welches in Victoria gemeldet ist, in Western Australia zu verkaufen.

Da das immer wieder ein Ablehnungsgrund war, entschloss ich mich, doch nach Melbourne zurückzufahren und das Auto dort zu verkaufen.

Also machte ich mich am Donnerstag auf den Weg. Von Perth nach Melbourne waren es 3.700 km – ein australischer Katzensprung.

Ich wollte auch mehr oder weniger non-stop durchfahren und kein Seightseeing mehr machen, außer an der Great Ocean Road, die mehr oder weniger direkt auf dem Weg lag.

Gesagt, getan. Die nächsten Tage bestanden im Grunde nur aus Auto fahren, tanken und schlafen. Morgens zum Sonnenaufgang losfahren und abends weit nach Sonnenuntergang anhalten. Gegessen habe ich während der Fahrt.

Die Strecke führte auf dem Eyre Highway hauptsächlich durch unbewohntes Outback, nur alle paar hundert Kilometer gab es ein Roadhouse mit Caravanpark.

Aber immerhin gab es als Highlight Australiens längsten geraden Straßenabschnitt zu befahren. 90 km ohne eine Kurve…ist natürlich auf einer Langstrecke jetzt nicht unbedingt das, was man sich als Autofahrer wünscht, aber zum einen ging es wenigstens hoch und runter und zum anderen kam ich abends dort lang und konnte den Abschnitt deswegen auf zwei Tage aufteilen.

Am zweiten Tag bin ich durch die Nullarbor Ebene gefahren – dieses riesige Stück Land ist dafür bekannt, dass es sehr trocken und eben ist. Im südlichen Teil, wo der Eyre Highway verläuft, wachsen keinerlei Bäume, was den ebenen, flachen Eindruck nochmal eindrücklich verstärkt.

Am dritten Tag hatte ich dermaßen viele Hummeln im Hintern, dass ich in Port Alexandra eine längere Pause mit einem ausgiebigen Spaziergang einlegen musste. Aber dann ging es weiter, wobei ich am letzten Tag nur noch vierhundert Kilometer vor mir hatte und dadurch die beeindruckenden Ausblicke über die Steilküste an der Great Ocean Road genießen konnte.

Die Great Ocean Road soll eine der schönsten Küstenstraßen der Welt sein und tatsächlich bietet sich ein wunderschöne Kulisse, insbesondere auf dem Stück, wo sich die Straße in vielen und engen Kurven direkt am Wasser entlangwindet.

Ich war auch über die vielen Aussichtspunkte nicht traurig, die eine willkommene Gelegenheit zum Aussteigen und Beine vertreten boten.

Die 3.700 km habe ich letztendlich in vier Tagen runtergerissen – bei einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 110 km/h – und dabei nur drei Tiere erwischt…

Als erstes eine schwarze Schlange, die leider nicht schnell genug weggeschlängelt ist und mir leid getan hat.

Dann eine Katze, die mir nicht leid getan hat, weil Katzen in Australien eine der schlimmsten Plagen für die einheimischen Tiere darstellen und hier eigentlich überhaupt nichts zu suchen haben. Da sie hier keine natürlichen Feinde haben, aber selbst mit den extremen Bedingungen im Outback super klar kommen, vermehren sie sich ungehemmt und jagen die einheimischen Arten bis zu deren Ausrottung.

Und dann noch einen beeindruckend großen Hasen. Der war aber selbst schuld, anstatt straight über die Straße zu hoppeln, hält er an, macht kehrt, überlegt es sich dann doch wieder anders und dreht sich nochmal um – und dann war ich da…bei hundert km/h habe ich keine Chance, rechtzeitig anzuhalten oder auch nur auszuweichen…ich war nur jedes Mal heilfroh, dass es kleine Tiere waren und mein Auto keine Schäden davongetragen hat.

Am Sonntag war ich dann in Melbourne und gespannt, wie es mit dem Autoverkauf klappen würde.

Ich hatte schon in Perth eine Onlineanzeige für Melbourne geschaltet und auch die ein oder andere Anfrage bekommen.

Zunächst wollte ich aber erstmal zu dem Händler fahren, von dem ich das Auto gekauft hatte. Schließlich hatte ich eine Rückkaufvereinbarung abgeschlossen und wenn das klappen würde, wäre das natürlich die einfachste Lösung.

Dem Händler viel das Ruckeln natürlich auch auf und ich beichtete ihm die defekte Zündspule. Er zog für die Reparatur allerdings einen fairen Betrag ab und hielt sich ansonsten an die vereinbarte Regelung, 30% des Kaufpreises zurückzuerstatten. Ohne weitere Prüfungen des Wagens oder Anforderungen an mich.

Das war wirklich ein gutes Angebot, welches ich schließlich annahm, da ich für einen Verkauf an eine Privatperson nochmal TÜV hätte machen müssen und dafür neben der Zündspule mindestens noch zwei Reifen erneuern müsste – wenn nicht noch viel mehr. Und damit hätte ich wirklich deutlich mehr ins Auto reingesteckt, als es noch wert war.

Außerdem war ich total erleichtert, dass dieses leidige Thema sich so unkompliziert lösen ließ…und da ich den Wagen nicht sofort abgeben musste, sparte ich auch noch Übernachtungskosten bis zu meinem Abflug.

Als das mit dem Auto geklärt war, buchte ich sofort meine Flüge. Zunächst geht es nach Bangkok, dort werde ich nochmal neun Tage Zeit haben und dann – geht es endlich wieder nach Deutschland!

Am 19. Oktober komme ich nach einem knappen Jahr wieder nach Berlin zurück – und freue mich sehr darauf.

Die Tage bis zu meinem Abflug habe ich genutzt, um mir Melbourne anzusehen, das hatte ich vor fünf Monaten bei meiner Ankunft ja zugunsten der Autosuche zurückgestellt.

Melbourne hat eine wunderschöne Skyline, die man vom Yarra-River aus bestaunen kann. Die Hochhäuser haben einen besonderen Stil, der mir sehr gefällt. Die Fassaden sind durch fließende Bewegungen aufgebrochen und oft unterstützen bunte Farben den lockeren Eindruck, der dadurch entsteht.

Außerdem ist Melbourne für seine vielen Parks und Grünflächen bekannt, die das Zentrum umschließen und sehr schön gestaltet sind.

Die 1856 erbaute Staatsbibliothek beeindruckt mit dem sechsstöckigen La Trobe Lesesaal, in welchem ich eine Pause vom Tippeln gemacht und die Atmosphäre auf mich habe einwirken lassen.

Eine Nacht habe ich mich in ein Hostel eingemietet, um mich und meine Wäsche zu waschen. Es war ausgerechnet die Nacht von Samstag zu Sonntag, was bedeutete, dass fast die gesamte Nacht laute Musik aus der Bar nebenan herüberwummerte – und ich wusste sofort wieder, warum ich lieber im Auto oder Zelt geschlafen habe.

Die letzte Nacht habe ich dann nochmal ungestört im Auto geschlafen, dieses morgens beim Händler abgegeben und dann bin ich zum letzten Mal in die Innenstadt gefahren.

Dort hatte ich richtig Glück. Auf der Suche nach einer günstigen Wechselstube (der Autohändler hat mir das Geld natürlich in bar gegeben) bin ich an einen Kerl geraten, der offensichtlich den Ankaufs- mit dem Verkaufskurs verwechselt hat. Ich habe während der gesamten Transaktion die Luft angehalten und gehofft, dass er es nicht doch noch mitbekommt, hat er aber nicht. Immerhin habe ich dadurch 80 EUR mehr rausbekommen und war glücklich.

Dann blieb mir nur noch, mein letztes Kleingeld in Sushi und andere Leckereien zu investieren, bevor ich zum Flughafen gefahren bin und nach sehr interessanten fünf Monaten dieses riesige Land endgültig verlassen habe.

Ich möchte eigentlich nochmal gesondert etwas als Fazit zu Australien schreiben und hoffe, dass ich das auch schaffe – obwohl in Thailand schon die nächsten Abenteuer auf mich warten. 🙂

Und zum Abschluss noch ein kleines Rätsel – und nicht googeln!

Welcher der folgenden Namen bezeichnet keinen Stadtteil Melbournes?

A Heidelberg B Altona

C Fulda D Coburg

2 Gedanken zu “Perth – Melbourne

  1. Anonymous schreibt:
    Avatar von Unbekannt

    Also wir haben uns auf Altona geeinigt. Alles andere sind Städte und Altona ist ein Stadtteil von Hamburg.Die genannten Städtenamen sind wohl Partnerstädte von Melbourne? Mal sehen ob unser Gefühl zutrifft.

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  2. kaiausberlin schreibt:
    Avatar von kaiausberlin

    Also mein Tipp ist: C Fulda
    Ich habe mich beherrscht und nicht gegooglet!
    Vom Gefühl her kann ich mir die anderen 3 Wörter durchaus in englischer Aussprache vorstellen … bei Fulda endet meine Kreativität dann aber wirklich^^

    Ich bin gespannt, ob hier noch weitere Tipp‘s abgegeben werden! 🙂

    Und dann kommt ja noch bestimmt eine Auflösung 😉

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