10.09. – 20.09.2017, 11 Tage, 390 km
Gesamtkilometer: 981 km
Nach dem halben Ruhetag steht heute der längste Tag an, was die Distanz angeht. 45 Kilometer sind es von Pemberton bis zur Schafer Hütte. Ich lasse es mir trotzdem nicht nehmen, morgens nochmal zu duschen und muss dann erstmal durch den gesamten Ort laufen, da der Caravanpark gleich am Anfang kam.
Durch das neue Essen ist der Rucksack zumindest wieder deutlich schwerer als in den letzten Tagen, wenn auch nicht untragbar, da ich nur für fünf Tage Proviant brauche (aber deutlich mehr mit habe…).
Drei Kilometer hinter Pemberton befindet sich der Gloucester Tree.
Dieser hohe Karri-Baum wurde früher als Ausguck auf der Suche nach Waldbränden genutzt. Entsprechend sind Eisenstangen als Leiter in den Baum geschlagen und in 53 Metern Höhe gibt es eine Aussichtsplattform.

Ich verzichte darauf, den Baum zu erklimmen. Neben der fehlenden Zeit ist hauptsächlich meine Höhenangst ausschlaggebend, mich muss ja nicht alles amüsieren, was andere lustig finden.
Also werfe ich nur einen respektvollen Blick nach oben in die sehr weit entfernte Baumkrone und gehe dann weiter.
Nach weiteren sechs Kilometern mache ich kurz an den Cascades halt. Sie liegen ein paar Meter vom Bibb entfernt, sind aber gut ausgeschildert und ich genieße ein paar Mini-Mandarinen, die ich in einer Box in Pemberton gefunden hatte.
Der Weg führt auch heute wieder über einige kleinere Berge, was eigentlich ja nicht so schlecht ist, sorgt es doch für ein wenig Abwechslung und Anstrengung. Aber heute, wo ich so weit kommen möchte, wäre mir ein einfacherer Weg lieber gewesen.
Wobei ich die Schafer Hütte ja auch nicht zwingend erreichen muss, ich könnte auch vorher zelten, muss dann nur ausreichend Wasser von der Warren Hütte mitnehmen.
Als ich diese gegen zwölf Uhr erreiche, entscheide ich mich dann aber doch, die 21km bis zur nächsten Hütte weiterzulaufen. Ich sollte gegen 18 Uhr dort sein und da ist es gerade noch hell und reicht somit aus.
Ich hatte mir in Pemberton neue Kopfhörer geholt, da die alten mal wieder einen Kabelbruch erlitten hatten. Das geht beim Wandern ziemlich schnell und ich habe schon diverse Kopfhörer geschrottet. Jetzt konnte ich mich aber erstmal wieder mit Podcasts ablenken und erreichte tatsächlich schon um halb sechs die Schafer-Hütte, die sehr malerisch an einem See liegt.
Nicht so malerisch zeigt sich der verbrannte Wald um die Hütte herum – und das Wetter. Als ich meinen Couscous esse, regnet es zum ersten Mal und dann regnet es die ganze Nacht durch.
Die Hütte teile ich mir mit Jon aus Queensland, der allerdings sehr schweigsam ist und sich schon um halb sieben schlafen legt – das ist selbst mir etwas zu früh, dabei bin ich nicht für lange Abende am Lagerfeuer bekannt.
Am nächsten Tag komme ich vormittags durch Northcliffe. Ein kleines Örtchen, in welchem ich nur etwas esse und mein Handy in der Touristeninfo auflade. Nach einer Stunde gehe ich schon wieder weiter.
Northcliffe ist nur dadurch etwas Besonderes, als dass sich der Trail ab hier ändert. Ich habe die Wald- und Bergregionen endlich hinter mich gebracht und laufe nun durch die Küsten- und Sumpfgebiete im Südwesten Westaustraliens.
Das zeigt sich nachmittags auch gleich in überfluteten Wegen und nassen Füßen. Stört mich aber nicht wirklich, meine Turnschuhe trocknen ja schnell wieder und die Freude über ein wenig Abwechslung von den tristen Forststraßen überwiegt einfach.
Trotz Stadtaufenthalt komme ich bereits um halb drei an der Gardner-Hütte an. 30-km-Tage sind mittlerweile keine Herausforderung mehr und ich freue mich, dass ich wieder in einer guten Wanderform bin.
Eine Dame ist schon anwesend und Jon wird auch noch kommen, weswegen ich mein Zelt aufbaue und erstmal ein paar Minütchen schlummere.
Nachts regnet es ausdauernd und in Strömen. Mein Zelt hält mich natürlich trocken, aber der Sand vom Boden wird gegen die Wände gespritzt, so dass es einigermaßen dreckig ist, als ich es einpacke.
Heute geht es weiter durch die Wetlands, ausgedehnte, sumpfige Wiesengebiete, auf denen jetzt zum Frühlingsbeginn unzählige bunte Blumen blühen. Die Luft ist erfüllt von einem wunderbaren Duft und überall quaken Frösche und sirren Grillen vor sich hin.
Die Hütte am Lake Malingup ist wegen Überflutung gesperrt. Es gibt eine Umleitung über eine Forststraße, die aber neun Kilometer kürzer ist, als die Originalstrecke.
Der Weg hinter der Umleitung ist nicht minder überflutet, aber wahrscheinlich gab es hier keine Umgehungsmöglichkeiten mehr.
An der ersten großen Pfütze, die sich auf dem Weg gebildet hat, folge ich noch dem Trampelpfad, der sich durch die Büsche schlägt. Dabei zerkratze ich mir aber komplett die Beine und viel Zeit kostet es auch, mal davon abgesehen, dass die ganzen Pflanzen zertrampelt werden.
Also laufe ich ab der zweiten Pfütze einfach mitten hindurch. Jetzt muss ich nur aufpassen, dass ich wenigstens so langsam durchwate, dass die zahlreichen Kaulquappen, die sich in allen Größen zu hunderten in den Pfützen tummeln, nicht zertrete.
Aufgrund der kürzeren Route erreiche ich schon um kurz nach zwei die Dog Pool Hütte, die ganz malerisch auf einer Waldlichtung mit Blick auf den Fluss und den Naturpool liegt.
Nach einer ausgiebigen, wenn auch späten Mittagspause laufe ich noch zehn Kilometer weiter und baue kurz vor Sonnenuntergang mein Zelt direkt auf dem Weg auf. Hier kommt heute niemand mehr vorbei und es ist die einzige gerade Stelle, die ich finden kann.
Die Nacht ist zwar ruhig, aber deutlich kälter als die Nächte davor. Und auch morgens ist es so kalt, dass ich mit Regen-/Windjacke loslaufe und diese auch erst im Laufe des Vormittags ausziehen kann, nachdem sich die Sonne durch die Schleierwolken gekämpft hat.
Meine Socken sind vom Vortag auch noch nass, das fällt aber nicht lange auf, da gleich die nächsten tiefen Pfützen kommen.
An der Mount Chance Hütte mache ich eine kurze Frühstückspause und nutze die Zeit, auf den gleichnamigen Berggipfel zu klettern, um die Aussicht zu genießen.
Es geht jetzt immer abwechselnd durch sumpfiges Wetland oder kleine Waldstücke hindurch und die Abwechslung macht Spaß. In einer der Pfützen springt mir ein kleiner Fisch in den Schuh…ich hole ihn zwar gleich heraus und werfe ihn zurück in die Pfütze, aber ob er sich Verletzungen zugezogen hat, kann ich nicht genau erkennen.
Die ausgedehnten Wiesen mit den niedrigen, dichten Bull Banksia-Büschen und einigen vereinzelten Eukalyptusbäumen erinnern mich total an eine afrikanische Savannenlandschaft und ich hätte mich nicht gewundert, wenn eine Gruppe Giraffen vorbeistolziert wäre…aber ich war in Australien und hier hüpften Kängurus herum. 🙂
Nachmittags erreichte ich die Woolbales Hütte. Da ich aber mein Tagespensum von 40 Kilometern beibehalten wollte, waren noch weitere zehn Kilometer zu laufen.
Also packte ich ausreichend Wasser ein und stapfte weiter. Ich wollte an der Mandalay Road übernachten. Schon einige Zeit vorher hörte ich es rauschen. Das musste die Straße sein, aber wenn da so viel los ist, sollte ich vielleicht doch noch etwas weiter gehen…
Das Rauschen war aber sehr gleichmäßig…dann viel mir der Sand auf…ich krabbelte gerade einen steilen Anstieg hinauf und der Weg bestand nur aus losem Sand, der es sehr schwer machte, voran zu kommen. Und dann hatte ich die Lösung – das Meer! Ich musste ganz in der Nähe der rauschenden See sein und kletterte gerade eine Düne hinauf!
Begeistert erklomm ich den Kamm der Düne und sah – auf die nächste Düne…nun gut, aber dahinter musste das Meer sein, ich konnte es doch ganz deutlich hören.
Aber auch nach der nächsten Düne erblickte ich nur weitere grüne Hügel und die Küste lag irgendwo dahinter.
Letztendlich war sie noch so weit entfernt, dass ich sie an diesem Tag gar nicht mehr erreichte, sondern an einer kleinen Sandpiste, die ich für die Mandalay Road hielt, mein Zelt aufschlug. Vom letzten Dünenkamm hatte ich aber die spritzende Gischt der Wellen gesehen – da musste ganz schön was los sein.
Auch der nächste Morgen ist sehr kalt und ich baue das Zelt mit Eisfingern ab. Nach einigen Metern durch die Dünen komme ich dann aber endlich zu einem Aussichtspunkt und kann von diesem das Meer in seiner vollen Pracht und Stärke bewundern. Die Wellen waren nicht mehr ganz so hoch wie gestern abend, aber immer noch beeindruckend und laut.
Kurze Zeit später stand ich an der Mandalay Road…ich hätte gestern noch einen Kilometer weiter laufen müssen, war aber ganz froh, da es hier keinen schönen Platz für mein Zelt gegeben hätte.
Und dann führte der Weg auf den Strand – Beachwalk! Hach, da wurden Erinnerungen wach…leider waren es nur ein paar hundert Meter bevor es wieder in die Dünen ging und ich mich in weichem Sand die steilen Anstiege hochkämpfen musste.
Als ich gegen neun Uhr die Long Point Hütte erreichte war schon klar, dass ich auf diesem Untergrund keine 40km-Tage mehr schaffen würde. Also stand für heute eine Übernachtung in Walpole an, wo ich eigentlich nur Strom tanken und dann weiterlaufen wollte.
Der Weg durch die Dünenlandschaft hinter der Küste hatte aber neben dem weichen Sand auch angenehme Seiten. Die Sträucher und Blumen fingen jetzt im Frühling gerade an komplett aufzublühen und verströmten wunderbare Düfte.
Und die warmen Strahlen der Sonne wollten auch diverse Schlangen genießen, die es sich auf dem Weg bequem machten. So hatte ich doch noch die Gelegenheit ein Foto zu machen, bevor ich sie mit einer nettgemeinten Geste dazu bewegen konnte, den Weg für mich freizugeben.
Die letzten Kilometer vor der Mount Clare Hütte führen dann doch nochmal durch Karri-Wald und auf den Mount Clare hinauf. Ich verzichte dieses Mal jedoch auf die Gipfelbesteigung, mache nur Mittagspause und gehe dann weiter.
Auf dem Weg nach Walpole treffe ich auf die ersten Red Tingle Trees, das sind Baumriesen, die es nur hier in der Gegend zwischen Walpole und Denmark gibt und die beeindruckende Stamm-Umfänge von über 20 Metern erreichen können.
Dann muss ich nur noch am Walpole-Inlet vorbeilaufen und erreiche kurz vor 16 Uhr endlich den kleinen Ortskern und die Touristeninformation. Dort erfahre ich, dass der nächstgelegene Caravanpark nochmal drei Kilometer entfernt ist, aber immerhin liegt er am Bibb.
Ich hätte mich jetzt auf einen Burger gefreut, als ich den Laden betrete wird mir aber eröffnet, dass die Küche gerade geschlossen hat und es nur noch Sandwiches gibt…na toll…
Also gehe ich rüber in den IGA-Supermarkt und suche mir neben dem Proviant für die nächsten Tage auch etwas, das ich heute noch essen kann. Da die Caravanparks erfahrungsgemäß keinerlei Geschirr und Besteck in ihren Küchen haben (der in Collie war eine glorreiche Ausnahme), konnte ich nichts kaufen, was ich hätte kochen müssen.
Nach ewigem durch die Gänge schleichen und Packungen begutachten und wieder weglegen hatte ich am Ende ein großes Stück Wassermelone, eine Tüte Gummitierchen und eine Packung Tortillachips im Wagen – das traf in dem Moment genau meinen Geschmack und sollte mein Abendessen werden.
Davor waren aber noch drei Kilometer zu tippeln und ich war froh, als ich um sechs Uhr endlich den Zeltplatz erreichte. Die Rezeption hatte schon zu und machte am nächsten Tag erst um neun Uhr auf – also so lange konnte ich natürlich nicht warten…
Ich baute das Zelt auf, ging duschen und genoss dann das sehr leckere Abendessen in der Küche, wo ich auch mein Handy aufladen konnte.
Die Nacht war wieder wärmer und ich konnte seit langer Zeit zum ersten Mal ein trockenes Zelt einpacken.
Nach dem Frühstück, welches aus Erdbeeren, Weintrauben und Mandelküchlein bestand, ging es zunächst weiter am Walpole Inlet entlang.
Vom Hill Top Lookout konnte ich nochmal auf die große Bucht zurückschauen, bevor es wieder in den Wald hinein ging.
Nach ein paar weiteren Kilometern gelangte ich zum Giant Tingle Tree…und der war wirklich gigantisch. Mit einem Umfang am unteren Ende von 24 Metern war er beeindruckend groß und laut Infotafel sind Tingle Trees dieser Größe mehrere hundert Jahre alt. 

Auch dieser Baum, war, wie so viele seiner Artgenossen, innen ausgebrannt, wuchs oben aber noch fleißig weiter. Die besondere Strategie dieser Bäume gegen Waldbrände bestand darin, dass sich die lebenden, zum Wachsen notwendigen Bestandteile unmittelbar unter der äußeren Rinde befanden. Wenn ein Baum also Feuer fing und innen ausbrannte, bedeutete das noch nicht sein Ende, sondern er konnte trotzdem weiterleben. Ich war mal wieder beeindruckt von der Anpassungsfähigkeit der Natur.
Am späten Vormittag erreichte ich die Franklin River Hütte und genoss ein zweites Frühstück mit den restlichen Weintrauben und ein paar Gummitierchen.
Es ging heute nur durch Wald, weshalb ich zügig vorankam. Da es insgesamt nur 30 km bis zum Tagesziel waren, kam ich entsprechend früh, nämlich schon um 15 Uhr an der Giants Hütte an und baute mein Zelt auf, da der bereits anwesende Wanderer von Mücken berichtete. Diese nervten tagsüber schon genügend, da wollte ich wenigstens Nachts meine Ruhe vor ihnen haben.
Nach ein paar weiteren Kilometern durch den Wald geht es am nächsten Tag wieder an die Küste.
Als ich durch zwei riesige Pfützen in den Dünen muss, werden die Schuhe richtig schön nass, um gleich danach im weichen Sand paniert zu werden…hm…
Dann folgt wieder ein kurzer, schöner Strandabschnitt am Conspicuous Beach, bevor es weiter die steilen Dünen rauf und runter geht. An der Rame Head Hütte mache ich kurz Pause und kämpfe mich dann weiter durch den Sand und über die Dünen.
Die blühende Pracht um mich herum und die rauschenden Wellen faszinieren mich immer wieder aufs Neue, aber der weiche Sand, insbesondere auf dem Strandabschnitt kurz vor Peaceful Bay, nervt dann doch ganz gewaltig. Zumal ich heute unbedingt noch bis zum Irwin Inlet kommen will und es schon reichlich spät ist.
Ich lasse es mir aber nicht nehmen, eine Gruppe Seerobben zu beobachten, die faul im aufgewühlten Wasser treiben und eine Flosse in die Höhe strecken, weshalb ich sie zunächst für Treibholz gehalten habe.


Irgendwann habe ich den Strand endlich hinter mir und finde zu meiner Freude an der Straße ein Toilettenkomplex mit Duschen vor. Nicht, dass ich schon wieder duschen wollen würde, aber meine Schuhe und Beine sind so dermaßen mit Sand verklebt, dass eine intensive Reinigung Not tut.
Da ich dort auch gleich Wasser auffüllen kann, laufe ich durch das Örtchen Peaceful Bay auch direkt durch, ohne anzuhalten. Es besteht aber offensichtlich ähnlich wie Donnelly River Village mehr aus Ferienhäusern als aus festen Einwohnern.
Es ist jetzt 15 Uhr und ich habe noch ca. sieben Kilometer bis zum Irwin Inlet vor mir. Auf der Strecke werden die Schuhe natürlich wieder nass und sandig, aber das ist nicht zu ändern. Dafür ist insbesondere die zweite Hälfte der Strecke wunderschön und ich treffe zwischen der abwechslungsreichen Vegetation gleich auf drei Schlangen, die die Abendsonne genießen wollten.
Der Grund, warum ich heute noch bis zum Irwin Inlet kommen wollte, war die notwendige Überquerung desselben. Dies geschah nämlich per Kanu und für morgen war Regen angesagt. Außerdem wollte ich das erledigt haben – was man hat, hat man.
Also stand ich um 17 Uhr am Ufer und wuchtete eines der vier Kanus aus dem Bootshäuschen. Das Inlet war an dieser Stelle cirka 50-60 Meter breit, also überschaubar und ich konnte auch das Häuschen auf der anderen Seite sehen, das mein Ziel darstellte.
Natürlich habe ich die Kamera und das Handy sicherheitshalber wasserfest verpackt und dann gings auch schon los.
Die Mücken haben sich an mir gelabt, während ich versucht habe, alleine ein Zweier-Kanu über das Wasser zu steuern.
Jedesmal wenn ich auf einer Seite paddelte, änderte das Boot sofort die Richtung und ich beschrieb eine große Zick-Zack-Linie, aber war mir egal. Ich hatte ja Zeit und eine Strömung gabs auch nicht groß.
Nachdem ich aufgrund der Routenführung wahrscheinlich die doppelte Strecke zurückgelegt hatte, erreichte ich wohlbehalten das gegenüberliegende Ufer und wuchtete das Kanu den Hang hinauf das in das Bootshaus hinein.

Das wäre geschafft – Zeit für den Feierabend. Also bin ich nur noch ein paar hundert Meter weitergelaufen und habe das Zelt wieder direkt auf dem Weg aufgebaut. Gerade noch rechtzeitig, bevor sich hunderte von Mücken auf das Zelt stürzten, konnte ich mich im Inneren verkriechen und den Feierabend genießen.
Am nächsten Morgen waren die Mücken leider immer noch da, was das Abbauen zu einer nervigen Zerreißprobe machte. Aber auf das Mückentheater fgte das Känguru-Schauspiel und versöhnte mich sofort wieder.
Ich wanderte durch saftige, grüne Hügel und überall grasten Kängurus auf den Wiesen. Wenn sie mich bemerkten, guckten sie erst neugierig und hüpften dann in großen Sprüngen davon – herrlich 🙂
Es ging heute immer abwechselnd durch die Dünenlandschaft und direkt am Strand entlang, wobei ich einmal am Strand auch über einige Felsen klettern musste und dabei großen Spaß hatte.
Nicht so lustig waren der weiche Sand und der starke Wind, der heute blies und mich teilweise richtig zur Seite schubste. Aber immerhin brannte die Sonne dadurch nicht so stark.

Für die zwölf Kilometer bis zur Boat Harbour Hütte habe ich ganze vier Stunden gebraucht, wobei ich mich an einem Strand auch kurz verlaufen hatte. Danach ging es dann aber besser und bis zum Parry Beach Zeltplatz konnte ich dann wieder meinen gewohnten Vierer-Schnitt halten.
Am Parry Beach stand das zweite von insgesamt vier Inlets an, die wir auf dem Bibb überqueren mussten. Es stellte sich aber als problemlos heraus. Da gerade Ebbe war, bestand keine Verbindung zwischen dem Inlet und dem Meer und ich konnte trockenen Fußes am Strand weiterlaufen.
Der Strand war dieses Mal mit sieben Kilometern etwas länger und ich hatte nur auf der ersten Hälfte das Glück, dass der Sand fest und somit gut zu begehen war. Die zweite Hälfte war super anstrengend, weil ich tief in den Sand eingesunken bin und es unheimlich Kraft kostete, vorwärts zu kommen.
Entsprechend froh war ich, als ich das vermeintliche Ende erreichte. Im Gegensatz zum GPS-Track zeigte der Marker aber nicht die Leiter hinauf, sondern weiter am Strand entlang…und nun?
Ich folgte dem Marker, was natürlich ein Fehler war…der Weg führte auf cirka zweieinhalb Kilometern um einen Landvorsprung auf einen anderen Strand, nur um dann auf einer Asphaltstraße wieder zurück zum ursprünglichen Track zurückzugehen, den ich über die Leiter in dreihundert Metern erreicht hätte.
Relativ schlechtgelaunt stapfte ich die letzten zwei Kilometer bis zur William Bay Hütte hinauf.
Dort hatten es sich schon drei Wanderer gemütlich gemacht, unter anderem ein neuseeländisches Pärchen. Als ich sie fragte, wie sie den Bibb finden, kam die erwartete Antwort: er ist schön und so einfach. Hihi, dachte ich mir, dass für Kiwis dieser Weg keine Herausforderung darstellt.
Als ich am nächsten Morgen wie gewohnt um halb sieben los gehe, liegen die beiden noch gemütlich in ihren Schlafsäcken und unterhalten sich. Später erfahre ich dann auch, warum sie die Ruhe weg hatten.
Heute geht es nach Denmark. Und dort steht das dritte und komplizierteste Inlet-Crossing an.
Der Sandwall, über den man zeitweise laufen kann, existiert momentan nicht, man muss also auf anderem Weg auf die andere Seite gelangen. Auf der Karte ist eine Fährverbindung eingezeichnet, aber alle erzählen, dass es die nicht mehr gibt.
Bleibt nur noch, mit dem Auto rumzufahren oder zu laufen. Das sind aber 25km und damit fast ein ganzer Tag, den ich nur ungerne dafür nutzen wollen würde. Aber in Unkosten will ich mich auch nicht stürzen und die Gerüchte auf dem Trail reden von mehr als fünfzig Dollar für die Taxifahrt.
Das sind zwei Übernachtungen und ist mir damit zu viel, bis zu dreißig Dollar würde ich ausgeben wollen, ansonsten laufe ich eben rum.
Zunächst muss ich Denmark aber erstmal erreichen und das ist gar nicht so einfach. Erst nervige Sandwege, dann verlaufe ich mich mal wieder und muss in einem großen Bogen auf der Straße zurück zum Trail latschen und dann kommt tatsächlich nochmal ein Berg, den wir erklimmen müssen. Wobei der Spaß macht, weil es viel Gekletter über Felsen und Steine ist, an einer Stelle ist sogar ein Geländer angebracht, weil man sonst nicht dort langklettern könnte.
Nach dem Abstieg erreiche ich die ersten Häuser, jetzt sind es aber immer noch gute sechs Kilometer bis zum Trailhead in Denmark. Dort frage ich an der Bootsstelle sicherheitshalber nochmal nach und tatsächlich gibt es keine Fähre mehr über den See.
Also muss ich ins Zentrum rein laufen. Durch den ganzen Asphalt tun meine Füße schon wieder weh und ich weiß immer noch nicht, wann ich wie weiterkomme.
Die Touristeninformation kann mir dieses Mal auch nicht wirklich weiterhelfen. Die Dame gibt mir nur die Nummer vom Taxiservice und meint, dass es cirka 55 Dollar kostet. Alternative ist eben laufen.
Ich versuche das Taxiunternehmen anzurufen, erreiche aber nur die Mailbox. In der Tabelle von Megan steht noch eine andere Telefonnummer von einem Bed&Breakfast, das wohl auch die Fahrt um den See anbietet.
Also rufe ich dort an. Zu meiner Überraschung kennt mich der Mann am anderen Ende der Leitung. Es stellt sich heraus, dass er die beiden Kiwis heute morgen getroffen hat und die haben ihm offensichtlich von mir erzählt. Jedenfalls ist er total nett und würde mich für 30 Dollar rumfahren – und das auch noch zu meiner Wunschzeit in einer Stunde. Perfekt!!!
Ich war begeistert und total froh, dass sich doch noch alles zum Guten gewendet hat. Jetzt hatte ich genügend Zeit um etwas zu Essen und würde heute noch weiterkommen, hach schön.
Meine Wahl im Supermarkt viel wieder auf Wassermelone und Mandelküchlein und pünktlich um vierzehn Uhr hielt der nette Kerl, dessen Namen ich mir leider nicht gemerkt habe, an.
Er war auch ein leidenschaftlicher Wanderer, ist schon den Appalachian Trail gelaufen und den Bibb natürlich und betreibt das Bed&Breakfast auch nur für Wanderer.
Jetzt erfuhr ich auch, wie er die beiden Kiwis getroffen hatte. Sie hatten sich für diese Nacht bei ihm einquartiert und als Service fuhr er sie nicht nur am nächsten Morgen um den See, sondern hatte morgens auch die Rucksäcke an der Hütte abgeholt, so dass sie ohne nach Denmark rein laufen konnten – deswegen waren sie heute früh also so entspannt gewesen.
Auf dem Weg zum Trail erzählt er noch eine ganze Menge weiterer interessanter Geschichten, u.a., dass es die Fähre schon seit zehn Jahren nicht mehr gibt…
Er setzt mich an einer Kreuzung ab, von der es nur zwei Kilometer bis zur nächsten Hütte sind. Damit habe ich zwar ein paar Kilometer ausgelassen, aber das ist mir heute egal…nach dem ganzen Organisationstheater habe ich keine Lust mehr lange zu laufen und durch meine doppelte Etappe am Anfang habe ich noch genügend „Vorsprung“.
So erreiche ich schon um fünfzehn Uhr die Nullaki Hütte und baue mein Zelt auf obwohl ich alleine bin, aber die Mücken nerven schon wieder.
Jetzt sind es nur noch zwei Tage bis ich das Ziel in Albany erreicht habe! Zumindest wenn ich nochmal etwas längere Tage laufe.
Ich will heute so weit wie möglich kommen, damit ich morgen nicht zu spät in Albany ankomme.
Es geht fast den ganzen Tag durch die Dünenlandschaft und die West Cape Howe Hütte erreiche ich schon um halb elf. Sie besitzt einen schönen Tisch mit wunderbarer Aussicht über die Küste.
Auf dem Weg zur Torbay Hütte fängt es an zu regnen, und zwar durchaus heftig und relativ lange. Ich werde pitschnass, trockne im Laufe des Nachmittags aber auch wieder. An der Torbay Hütte fülle ich wieder ausreichend Wasser für die Nacht auf und laufe weiter.
Nachmittags steht dann das letzte Inletcrossing an, erweist sich aber wie das Parry Beach Inlet als unkompliziert. Ein breiter aber sehr flacher Stream schlängelt sich vom Meer zum Inlet und ich komme fast mit trockenen Füßen durch.
Am Ende des Strandes geht es über eine lange Holztreppe auf die Steilküste hinauf und schon von unten erkenne ich, dass dort oben der perfekte Platz für meine letzte Nacht auf dem Bibb zu finden sein dürfte.
Und tatsächlich befindet sich dort direkt ein Parkplatz mit Toilette und auf einem Nebenweg kann ich windgeschützt das Zelt aufbauen, wirklich perfekt.
Damit begleitet mich das Wellenrauschen durch die letzte Nacht auf dem Trail und ich mache mich am nächsten Morgen gutgelaunt auf die letzten dreißig Kilometer.
Ich genieße nochmal die duftenden, bunten Blüten am Wegesrand und die frische Brise sowie die atemberaubenden Blicke über die Steilküsten, bevor ich nach einem kurzen Waldstück das erste Mal die Häuser von Albany sehe.
Sie liegen auf der anderen Seite des Inlets und es sind noch zehn Kilometer bis zum südlichsten Punkt des Bibbulmun Track, den ich gutgelaunt um 14 Uhr erreiche.
Geschafft…31 Tage und fast 1.000 Kilometer.

Letztendlich habe ich den Bibbulmun doch noch liebgewonnen, auch wenn der nördliche Teil mit den unendlichen Forststraßen ganz schön schmerzhaft und langweilig sein kann. Aber der südliche Teil an der Küste entschädigt für alles und macht den Bibb zu einem empfehlenswerten und leicht zu bewältigenden Wanderweg.
Nach dem obligatorischen Zielfoto musste ich nochmal drei Kilometer bis zum Zeltplatz laufen, auf dem Weg gabs aber einen Coles-Supermarkt und ich konnte Frühstück und Obst einkaufen.
Das war gestern. Heute wollte ich den Tag nutzen, um neben dem Schreiben dieses Artikels Albany zu besichtigen.
Allerdings regnet es schon seit gestern Abend und bis auf immer mal wieder ein paar Minuten Pause ist noch kein Ende in Sicht. So sitze ich hier gemütlich im Gemeinschaftsraum und beobachte, wie draußen die Welt untergeht.
Ab und zu sehe ich mal nach dem Zelt, das aber super durchhält. Irgendwann müsste ich mir zwar noch was zu Essen besorgen, aber mal schaun, habe keine Lust nass zu werden. 😉
Morgen fahre ich zurück nach Perth und werde dann versuchen mein Auto zu verkaufen – und dann geht es langsam aber sicher zurück in die Heimat. Und ich freue mich darauf!