10.05. – 15.05.2017
Für die rund 200 km von Melbourne bis zu meinem ersten Ziel, dem Wilsons Promontory National Park (The Prom) lasse ich mir Zeit und cruise gemütlich über die Landstraßen. Ich bin immer noch erstaunt und erfreut, wie schnell ich mich an den Linksverkehr gewöhnt habe. Kurz vor Sonnenuntergang um 17 Uhr komme ich im Nationalpark an und da die Info schon zu hat, stelle ich mich etwas weiter vorne auf den Parkplatz für die Mehrtageswanderer und übernachte dort.
In der Dämmerung mache ich eine absolut liebenswerte Bekanntschaft.

kuschliger Wombat
Vor dem Gebüsch läuft ganz gemütlich ein Wombat umher, man ist der knuffig 🙂 ich glaube ich muss meinen Vermieter fragen, ob ich solch einen flauschigen, kuscheligen Gesellen als Haustier halten kann…das geht ja gut los, wenn die australischen Tiere alle so niedlich sind, dann wird das eine tolle Zeit.
Am nächsten Tag starte ich eine Rundwanderung in dem Park. Leider ist ein Großteil der Wege aufgrund von Überarbeitungsmaßnahmen gesperrt, u.a. der Weg zum südlichsten Punkt auf dem australischen Festland…menno…da wollte ich unbedingt hin, ist es doch nach dem Besuch der südlichsten Punkte (auf dem Festland) in Chile, Südafrika und Neuseeland der letzte Ort dieser Art, der mir noch fehlt (es sei denn, unserem Doktorchen fällt noch ein weiterer ein 😉 ).
Naja, da ich nicht sehr weit von Melbourne entfernt bin, kann ich vielleicht am Ende meiner Reise nochmal hierherkommen.

Wilsons Promontory National Park
Zunächst bleibt mir also nur ein 36 Kilometer langer Rundweg, für den ich mir zwei Tage Zeit nehmen will. Ich packe also nach langer Zeit mal wieder meinen Wanderrucksack und freue mich richtig auf die Bewegung, die mir schon fehlt.
Die Gegend ist wunderschön und fremdartig. Es liegt die ganze Zeit ein angenehmer Eukalyptusduft in der Luft und ich atme tief ein. Neben den zig verschiedenen Eukalyptusarten entdecke ich auch viele unbekannte Tiere, zum Beispiel rote und grüne Papageien – wobei ich später lerne, dass die Weibchen rot und die Männchen grün sind. Und richtig lustig wird es, als es neben mir im Gebüsch raschelt und das Tier dann nicht wegläuft, sondern weghüpft – boing, boing, boing 😀
Kurz darauf sehe ich eines der Wallabys auch direkt vor mir auf dem Weg…weghüpfen, und das sieht einfach total lustig aus. Und ist auch relativ laut, wenn sie mit beiden Füßen auf dem Boden aufkommen.

female King Parrot
Wie gesagt, ich bin begeistert von der australischen Tierwelt, und dabei habe ich noch gar nicht den Sympathieträger schlechthin getroffen.

Ich wandere am ersten Tag ganz entspannte 19 km und schlage mein Zelt auf einem Campingplatz am Strand auf. Abends versucht dann ein mir unbekanntes Tier, meinen Essensbeutel aus dem Zelt zu stibitzen und ist dabei relativ hartnäckig. Da mein Zelt durch den kaputten Reißverschluss ja mehr oder weniger offen ist, kann ich für dieses Viech nicht so viel Begeisterung aufbringen…sieht wie eine Mischung aus Katze, Waschbär und Fuchs aus…sage ich jetzt mal so…
Aber danach bleibt die Nacht ruhig und ich kann am nächsten Vormittag entspannt die letzten 17 km wandern. Es geht teilweise auch an wunderschönen Sandstränden entlang und ist wirklich ein toller Wanderweg.

Wilsons Promontory National Park
Am späten Vormittag bin ich dann auch schon wieder am Auto, mache mir auf dem riesigen Campingplatz noch einen Salat zum Mittag und fahre dann zum nächsten Ziel, der alten Goldgräberstadt Walhalla.
The Prom liegt an der Küste und um zum im Landesinneren gelegenen Walhalla zu kommen muss ich die Strzelecki-Ranges überqueren. Dafür wähle ich die kürzeste Route einmal Mitte durch, u.a. auf der Grand Ridge Road, eine teilweise nicht asphaltierte, schmale, kurvenreiche Straße. Und es macht mir riesigen Spaß mit dem Auto die Piste entlangzukurven. Da ich Zeit habe, kann ich langsam und damit hoffentlich spritsparend die Berge hochkriechen und bergab einfach mit der Eigenbeschleunigung runterrollen. Von dem teilweise schönen Ausblick über die umliegende Täler habe ich als Fahrer allerdings nicht so viel, da meine gesamte Aufmerksamkeit dann doch der Straße gilt.
Es sind nur noch ein, zwei Kilometer bis nach Walhalla, als ich plötzlich unfreiwillig gestoppt werde.

hier gehts erstmal nicht weiter
Quer über die gesamte Straße liegt ein großer Baumstamm… durchkommen unmöglich. Als ich aussteige, rieseln noch Erdbröckchen vom Hang, der Baum muss also ganz frisch abgestürzt sein. Na toll…das ist die einzige Straße nach Walhalla, bin ich jetzt 200 Kilometer umsonst hergefahren?!?
Ich wende und stelle mich auf einen Picknickplatz im Ort davor, an dem ich vorher vorbeigekommen bin. Diese Picknickplätze sind eine ganz wunderbare Einrichtung in eigentlich allen Ortschaften Australiens. Mit Tischen, Bänken, einem elektrischen Barbequegrill und Toiletten mit Wasseranschluss. Sie halten also alles vor, was man für eine Nacht im Auto benötigt und ich nutze diese Plätze regelmäßig.
Meine Hoffnung besteht darin, dass der Baumstamm am nächsten Morgen weggeräumt wurde, schließlich ist Walhalla ein berühmter Touristenmagnet und es wohnen noch immerhin gute zehn Menschen dort…
Und meine Hoffnung bestätigt sich. Am nächsten Morgen ist der Baumstamm beiseite geschoben und es sind wirklich nur noch achthundert Meter nach Walhalla.

Walhalla
Der Ort hatte seine Glanzzeit zwischen 1860 und 1910, als hier in großem Stil Gold abgebaut wurde. Damals war es eine prosperierende, große Stadt mit mehreren tausend Einwohnern, einer eigenen Zeitung und überhaupt allem, was eine Stadt so benötigt. Als sich die Minengesellschaft aber zurückgezogen hat, weil die Mine unwirtschaftlich wurde, starb auch der Ort relativ schnell aus – solche Orte gibt es zuhauf in Australien, das über sehr üppige Bodenschätze verfügte. Und fast überall sind ein paar Menschen hängen geblieben und die Nachfahren leben bis heute in den eigentlich ausgestorbenen Gemeinden. 

das Helle ist das goldhaltige Gestein
Ich sehe mir die paar noch verbliebenen historischen Gebäude und den Friedhof an und habe dann Glück, dass ich an der Minen-Führung mit einer Schulklasse teilnehmen kann, da die reguläre tägliche Führung erst nachmittags stattfindet und ich nicht so lange warten will.
Nachdem ich alles gesehen habe steige ich wieder ins Auto. Es geht weiter in Richtung Osten und wieder an die Küste nach Lake Entrance. Hier gibt es neben dem ausgedehntesten Wasserstraßensystem Australiens ein anderes Highlight, welches ich unbedingt besuchen möchte – den Ninety Mile Beach.

Ninety Mile Beach
Im Gegensatz zu dem Bruder in Neuseeland, an den ich natürlich sehr intensive Erinnerungen habe, ist dieser hier wirklich ungefähr 90 Meilen lang, die ich aber dieses Mal nicht komplett ablaufen will. Ich begnüge mich damit, am nächsten Morgen nach einem wunderschönen Sonnenaufgang eine knapp fünf Kilometer Runde zu joggen, die Hälfte davon auf dem Ninety Mile Beach. Danach bin ich frisch und munter und sehe mir einen kleinen Teil des Seensystems an, bevor ich mich wieder auf den Weg mache. Ich verabschiede mich endgültig vom Meer, da ich vorerst mehr im Landesinneren bleiben werde.

Sonnenuntergang in Lake Entrance
Mein Weg führt mich wieder in die Great Dividing Range, der größte Gebirgszug Australiens, der sich an der gesamten Ost- und einem Teil der Südküste mehr oder weniger parallel zur Küste entlangschlängelt. Dabei ist es auch fast das einzige Gebirge in Australien, dem flachsten Kontinent, wie wir schon gelesen haben. Im Schnitt ist Australien nur 300 Meter hoch und 90% der Landmasse sind weniger als 500 Meter hoch. Ich steuerte mein Auto jetzt aber durch die Victorian Alps auf einer wunderschönen Panoramastraße und genoss die Ausblicke über der Baumgrenze am Mount Hotham. 

Victorian Alps von Mt. Hotham
Ich machte für eine Nacht in dem kleinen, schicken, ehemaligen Goldgräberort Beechworth Halt, fuhr dann in Richtung Australian Alps und verließ damit Victoria. Der zweite Bundesstaat auf meiner Reise war New South Wales, der mit Sydney den Allzeitkonkurrenten Melbournes vorzuweisen hatte und seit dem Bau des berühmten Opernhauses auch wirklich die südliche Metropole in der Beliebt- und Bekanntheit überholt hatte.
Die Australian Alps umfassten auch die sogenannten Snowy Mountains – tatsächlich die einzigen Berge in Australien, die knapp über der Schneegrenze lagen – und damit auch den höchsten Berg Australiens beherbergten. Mount Kosciuszko ist gemütliche 2.228 Meter hoch…aber im flachsten Land reicht das für die Spitzenposition. 
Ich fuhr im gleichnamigen Nationalpark knapp 70km auf dem schmalen, kurvenreichen Alpine Way durch dichten Eukalyptuswald und genoss die Fahrt mal wieder, indem ich langsam mit 40 bis 60 km/h die Anstiege hochzuckelte. Am nächsten Tag wollte ich von Thredbo aus Mount Kosciuszko bezwingen, es stellte sich aber heraus, dass es nach den ersten sehr steilen und anstrengenden vier Kilometern nur eines leichten Spaziergangs über einen Holzsteg bedurfte, um bis zum Gipfel zu gelangen – und die allermeisten Besucher nutzten für den ersten Teil den Lift, der auch außerhalb der Skisaison in Betrieb war. 

Spaziergang statt Gipfelwanderung
Mit dem Wetter hatte ich mal wieder kein Glück, sondern lief die ganze Zeit bei niedrigen Temperaturen durch ein dichtes, feuchtes Wolkenfeld. Es war so kühl, dass ich auf dem Rückweg neben Handschuhen und Mütze erstmalig auch meine Daunenjacke unter der Regenjacke trug. Aber mir ging es neben der Aussicht ja auch um die Bewegung und mit 21 Kilometern war es ein schöner Ausflug an der frischen Luft.

Auf dem Gipfel des Mount Kosciuszko
Jetzt konnte ich mich wieder auf die nächste Autofahrt freuen, die mich nach Canberra, seines Zeichens Hauptstadt Australiens, brachte. Ich erreichte sie noch am gleichen Abend, aber das ist bereits eine neue Geschichte. 🙂
ich würds noch mal mit dem südlichsten Punkt der Antarktis versuchen…
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Liebe Katrin,
mit Begeisterung haben wir wieder deine Beiträge gelesen. Du schreibst so toll, dass man sich
ganz nahe am Ort des Geschehens fühlt. Nur drücken können wir dich leider nicht.
Sei symbolisch umarmt und pass auf dich auf.
Mama und Papa
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