05.- 08.11.16, 4 Tage, 100km
Sand, Sand, Sand – und Wind. So kann ich die ersten 100km zusammenfassen.
Felix und ich sind am Donnerstag von Kaitaia zum Cape Reinga getrampt. Das sind immerhin 100km und wir haben vier Fahrer benötigt, aber um 19:00 Uhr waren wir dann da. Pünktlich zum Sonnenuntergang. Wir waren uns schnell einig, dass wir heute nicht mehr loslaufen, haben uns einen gemütlichen Zeltplatz am Parkplatz gesucht und sind dann am Freitag ausgeruht und mit den ersten Sonnenstrahlen los gelaufen.

Schlappe 3.000km liegen nun vor uns, auch wenn das Schild am Kap nur die Luftlinie angibt, mit Flügeln hätten wir nur die halbe Strecke zu absolvieren.

Der erste Tag führt nicht nur am Strand entlang, sondern immer wieder auch durchs Hinterland, welches erstaunlich abwechslungsreich und grün ist. Ein paar Hügel sind auch zu erklimmen, aber sie stellen kein Problem da.
Felix ist erwartungsgemäß schneller unterwegs als ich und so trennen sich unsere Wege nach der Mittagspause. Ich genieße die Ruhe und Laufe mein eigenes Tempo, welches einer Schnecke jede Ehre gemacht hätte. Habe ja fünf Monate Zeit für die Strecke.
Nach 16km beginnt dann der berühmt – berüchtigte 90 Mile Beach, der tatsächlich nur 55 Meilen lang ist, damit aber fast auf 90km kommt…immerhin. Außerdem ist der Strand offiziell als Straße ausgewiesen, so dass immer mal wieder Autos und Touristenbusse langgefegt kommen. Die Route von Pahia zum Kap ist sehr beliebt bei Touristen.
Ich baue mein Zelt nach 20 Tageskilometern in den Dünen an einem Süßwasser Zufluss auf und springe erstmal ins Meer. Kann ja nicht tagelang daran entlang laufen ohne drin gewesen zu sein. Es ist super erfrischend, auch wenn die Wellen ganz schön stark sind.

Am nächsten Morgen ist erwartunsgemäß alles, was ich mit habe mit einer feinen Sandschicht belegt, nicht ausgenommen das Essen und die Sonnenmilch. Daran werde ich mich für die nächsten Tage wohl gewöhnen müssen und so versuche ich nur halbherzig, den Sand nicht mit einzupacken.
Die nächsten drei Tage geht es immer am Strand entlang – keine Abwechslung, kein Abstecher ins Hinterland, nur Strand so weit das Auge sieht (und das ist gar nicht sooo weit, da es durch die Gischt sehr diesig ist).
Eigentlich ein bequemes Wandern, wenn es nicht so monoton wäre, dass man die Zeit und die zurückgelegte Strecke überhaupt nicht einschätzen kann. Ich bin der Meinung, schon die Hälfte der 26km-Etappe geschafft zu haben, muss mir dann aber von einem anderen Wanderer sagen lassen, dass es erst zehn Kilometer waren….grrrr…dabei fühle ich mich schon, als wäre ich 20 gelaufen!
So geht es weitere 3 Tage lang, wobei wir zum Glück an drei von vier Tagen Rückenwind haben. Wir, das ist neben mir noch ein Ägypter und ein Isländer. Wir laufen immer in einem gewissen Abstand zueinander, wenn einer Pause macht, ändert sich die Reihenfolge, aber jeder läuft für sich und wir treffen uns dann manchmal abends im Camp wieder, wenn wir alle das gleiche wählen.
Während einer Nacht hat es massiv geregnet und gestürmt, mein Zelt hat so weit stand gehalten, aber da ich es im Schönwettermodus abgespannt hatte, ist hinten Wasser reingelaufen und hat sich mit dem Sand zu einer lustigen Schlammschicht gepaart…als professionelle Wanderin hatte ich natürlich an einer Wasserquelle gezeltet und konnte den Morgen dann mit putzen verbringen.
Für die nächste Nacht habe ich mir ein Bett im Uteah Camp gegönnt und die anwesenden Tagestouristen erwähnten eine Unwetterwarnung für die letzte Nacht…ja, dann stimmte der Wetterbericht wenigstens.
Am vierten Tag wollte ich eigentlich nur 17km bis zum nächsten Camp laufen, da bin ich aber schon um 12 Uhr angekommen…die anderen wollten alle weiter nach Ahipara, um endlich dem Sand zu entfliehen und so ganz unbekannt war mir der Gedanke auch nicht. Also entschied ich mich, weitere 13km bis nach Ahipara dranzuhängen – und bereute es eine Stunde später sofort.
Es gab schon den ganzen Tag starken Seitenwind, der jetzt allerdings drehte und direkt von vorne kam. Ich musste mich teilweise mit meinem ganzen Gewicht dagegenstemmen. Zusätzlich erreichte jetzt am Nachmittag die Flut ihren Höhepunkt was bedeutete, dass ich ganz oben am Strand im weichen Sand laufen musste, woan ständig einsank und nur schwer vorwärts kam. Und das 30km für meine Füße zu viel sind, wusste ich auch schon vorher, aber sie teilten es mir sicherheitshalber nochmal sehr deutlich mit.
Am Ende meiner Kräfte schlurfte ich in Ahipara ein, lief erstmal in die falsche Richtung, fand dann aber doch den Holiday Park wo ich mich u.a. wegen der Preise für einen Zeltplatz und nicht ein Bett im Mehrbettzimmer entschied. Der Platz war super ausgestattet und ich wusch erstmal fast alle meine Klamotten und mich selbst und war froh, vorerst keinen Strand mehr sehen zu müssen.











Liebe Katrin,
Deine Berichte sind ganz toll und wir sind begeistert. Gönne Dir auch mal einen Masseur
für deine geschundenen Füße. Die müssen noch einiges mitmachen.
Wir wünschen Dir ebene Wege, nur Rückenwind und keinen Sandsturm.
Und immer wieder eine Schale voll Obst.
Sei lieb gerüßt von Mama und Papa
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