Ist es wirklich umweltfreundlicher, tagelang mit Bus/Zug und Fähre nach Mallorca zu reisen als anderthalb Stunden zu fliegen?
2018 hatte ich mich entschieden, aus ökologischen Gründen nicht mehr zu fliegen. Die Entscheidung war für mich auch deshalb zwingend, weil ich gerade aus Neuseeland und Australien zurückkam und mit den zwei Mega-Langstreckenflügen einen massiven CO2-Berg aufgebaut habe.
Was ich aber nie wollte, dass ich mich eingeengt fühle oder auf Erlebnisse aktiv verzichte, nur um weniger CO2 zu verbrauchen.
Das hat bisher super geklappt. Ich war nach der Weltreise sowieso erstmal froh, etwas in Deutschland bleiben zu können, die Pandemie hat die Reiseziele für 2020 und 2021 definiert und im Anschluss hatte ich so viele Reiseideen für angrenzende Nachbarländer, dass ich gar nicht auf die Idee gekommen wäre, irgendwohin fliegen zu wollen.
In den letzten Jahren hat sich bei mir auch immer mehr die Ansicht verstärkt, dass die Reise durchaus Teil des Erlebnisses sein sollte und nicht nur Mittel zum Zweck, um am Urlaubsort anzukommen. Das hat auch ganz praktische Gründe – wenn man nicht innerhalb von drei Stunden in einem anderen Klima und einer anderen Kultur ankommt, sondern über ein, zwei Tage über verschiedene Stationen so richtig in Urlaubsstimmung kommt – was soll daran schlecht sein?
So brachte es mir keine Gewissenskonflikte, als ich dieses Jahr Mallorca als Urlaubsziel ins Auge fasste. Ich war auf der Suche nach einer Wandermöglichkeit über die Osterfeiertage und wollte es schön warm haben, damit ich nicht so viel mitschleppen musste.
Der GR221, die Trockenmauerroute, auf Mallorca passte ideal, sowohl vom Klima als auch der Länge in meine Urlaubszeit. Ich hatte zwei Wochen Zeit und der Weg selbst ist in 6-7 Tagen zu bewandern.
Da Fliegen für mich nicht infrage kam, fing ich an eine alternative Anreise zu planen. Und war begeistert von der Möglichkeit, auf dem Hin- und Rückweg gleich noch andere Urlaubsziele ansteuern zu können.
Die Reiseroute
Meine finale Reiseroute sah so aus, dass ich mit Zug und Reisebus bis nach Barcelona gefahren bin und mir zwei Tage die Stadt angesehen habe, die ich noch nicht kannte. Dann bin ich mit der Fähre nach Palma gefahren und nach einer kurzen Busfahrt startete die Wanderung in Port d’Andratx.
Die Rückfahrt ging dann in Alcudia los. Mit der Fähre bis Toulon. Von dort sind es nur 45 Minuten mit dem Zug nach Marseille. Auch in dieser Stadt war ich noch nie, so dass ich mir auch hier zwei Tage gönnte, um sie mir anzusehen, bevor ich mit dem Zug zurück nach Berlin gefahren bin.
Alles in allem war es ein wunderschöner Urlaub mit drei verschiedenen Reisezielen und einer im großen und ganzen entspannten Reise. Ehrlicherweise würde ich die 16-stündige Busfahrt nächstes Mal eher durch einen Zug ersetzen, jetzt beim ersten Mal war ich aber noch optimistisch und ein wenig zu geizig für den Zug von Berlin nach Barcelona.
Was ich auf keinen Fall missen wollen würde sind die Fährüberfahrten. Eine Schiffsreise ist einfach fantastisch und gerade die Rückfahrt, die teilweise auch tagsüber stattfand, hat Kreuzfahrt-Gefühle aufkommen lassen, als ich ganz entspannt auf dem Sonnendeck saß und den an den Schiffsrumpf klatschenden Wellen gelauscht habe.

Fähre versus Flugzeug
Dennoch nagte die ganze Zeit ein Gedanke in meinem Kopf, der mein gutes Gewissen zu beeinträchtigen drohte. Was ist, wenn die Fähre, die bekanntermaßen mit großen Dieselmotoren angetrieben wird, gar nicht so viel besser ist als ein anderthalb Stunden Flug? Was ist, wenn meine Reisevariante vielleicht sogar mehr CO2 generiert, als ein Kurzstreckenflug? Es gab Stimmen in meinem Umfeld, die genau solche Behauptungen aufstellten.
Das wollte ich genauer wissen und habe es mir deshalb einfach ausgerechnet. Dank einem Link auf der Seite von der Fährgesellschaft, mit welcher ich nach Palma gefahren bin, habe ich den Bericht des britischen Ministeriums für Energie, Ernährung und ländliche Angelegenheiten (Department of Energy, Food and Rural Affairs) aus dem Jahr 2024 gefunden: Greenhouse gas reporting: conversion factors report.
Damit kann ich auf wissenschaftlicher Basis alle Verkehrsmittel miteinander vergleichen und das auf Basis des CO2e – dem CO2-Equivalent. Das CO2-Equivalent ist die universelle Maßeinheit zur Angabe des globalen Erderwärmungspotenzials – runtergebrochen auf CO2-Einheiten. Denn tatsächlich tragen sieben verschiedene Emissionen zur Erderwärmung bei, nicht nur CO2. Es gibt z.B. noch Methan, Distickstoffmonoxid, Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) und andere. Um alle diese verschiedenen Emissionen vergleichbar zu machen, gibt es das CO2e.
Der Bericht gibt folgende Werte für einen durchschnittlichen Passagier mit den verschiedenen Fortbewegungsmitteln an:
- Fähre: 0,0187 kg CO2e / Personenkilometer (Fußpassagier)
- Bus: 0,0272 kg CO2e/ Personenkilometer für einen durchschnittlichen Langstreckenbus
- Zug: 0,0045 kg CO2e / Personenkilometer für einen International Rail (britische Eisenbahngesellschaft)
- Flugzeug: 0,1859 kg CO2e / Personenkilometer für einen innereuropäischen Flug
Hier könnte der Artikel eigentlich aufhören, denn schon an den oberstehenden Zahlen ist deutlich ersichtlich, dass das Flugzeug um eine Größenordnung mehr CO2e produziert, als die anderen Fahrzeuge, aber ich mache natürlich weiter.
Das Ergebnis
| Strecke | Entfernung | Fahrzeug | CO2e |
| Berlin-Freiburg (i.Brsg) | 800 km | Zug | 3,6 kg |
| Freiburg – Barcelona | 1.000 km | Reisebus | 27,2 kg |
| Barcelona – Palma | 208 km | Fähre | 3,9 kg |
| Gesamt | 34,7 kg |
Wenn ich von Berlin nach Mallorca geflogen wäre (1.600 km), dann hätte ich 297,44 kg CO2e produziert!
Und wenn ich mit dem Zug bis nach Barcelona gefahren und auf den Bus verzichtet hätte, wäre mein CO2e-Beitrag noch deutlich geringer ausgefallen. Auf dem Rückweg bin ich ja dann nur mit Fähre und Zug gefahren, da sieht die Bilanz noch besser aus.
Es steht also außer Frage, dass die entspanntere Reisevariante auch die deutlich umweltfreundlichere ist und ich freue mich schon jetzt auf meine nächsten Urlaubsreisen per Zug und Fähren. 🙂