Gleinalmsattel – Salzstieglhaus

10.08.2022, Tag 16, 30 km, Gesamtdistanz 399 km

Die Nacht war gar nicht so lustig…die Heidelbeerbüsche haben sich als nicht so ideale Bettunterlage herausgestellt, da nur ein Teil von ihnen sich niedergelegt hat. Der Rest blieb einfach stehen und so hatte ich große Beulen unter meinem Zeltboden. Außerdem machte sich dadurch die Hanglage bemerkbar und ich bin die ganze Nacht nach unten gerutscht…immerhin war es überraschend warm, wenn auch sehr windig und damit laut.

Alles in allem habe ich nicht viel geschlafen und bin daher froh, als es endlich hell wird und ich bei immer noch starkem Wind zusammenpacken kann.

Heute ist im Grunde aktive Erholung angesagt. Die Etappe weist so gut wie keine Höhenmeter aus (läppsche 640 sind es am Tagesende) und die Wege bestehen überwiegend aus breiten Fahrwegen oder gut ausgetretenen Wanderwegen.

Die ersten sieben Kilometer geht es anschließend an gestern über Bergrücken und -Almen, aber eben immer abwärts. Genauer geht es über die Roßbach-, Terenbach- und Stubalme.

Hier in Weststeiermark werden die Lipizzaner-Pferde gehalten. Überall finden sich Hinweise und Wegweiser zu den diversen berühmten (?) Ställen und Gütern. Ich komme allerdings nicht direkt an einem vorbei und einen Umweg lohnt das nicht.

Um neun Uhr bin ich am Oskar-Schauer-Haus, von wo sehr viele Tageswanderer ihren Ausflug starten. Außerdem wimmelt es hier von fleißigen Schwammerl-Suchenden. Auch wenn Schilder deutlich auf das Sammelverbot von Beeren und Pilzen hinweisen.

Ich sehe auch einige prächtige Exemplare, kann damit aber sowieso nix anfangen unterwegs und lasse sie natürlich stehen. Lieber würde ich in einer Hütte ja mal „Schwammerl“ essen, aber bisher haben das die Karten noch nicht her.

Die nächsten drei Stunden bis Gaberl führen meistens durch schöne Wälder. Am „Stierkreuz“ fragt mich ein ankommendes Pärchen, ob ich schon für den Wanderer gebetet habe. Ich hatte eine kurze Rast gemacht und gerade meinen Rucksack wieder geschultert, schaue den Mann belustigt an und meine, dass ich das gleich noch tun werde.

Sie liest laut die Geschichte von dem Schild, wonach im Jahr 1828 hier ein Mann zu Tode kam, weil er das Band seines Ochsens zu fest umgeschnürt und der Ochse sich irgendwie erschrocken hatte und ihn dann mitgerissen hat oder so…

„Um ein Vater Unser wird gebeten“ liest der Mann den letzten Satz der Tafel nochmal laut und in meine Richtung blickend vor. Er weiß zwischenzeitlich auf Nachfrage, dass ich aus Berlin komme. Wobei ich nicht weiß, ob er das ernst oder scherzhaft meint.

Ich lächle beide an und verabschiede mich aufs Höflichste, woraufhin sie mir nur das Beste wünschen. Die Frau raunt ihrem Mann jedenfalls noch zu, dass ich eine Weitwanderin bin, was mich stolz davonwandern lässt. (Bis mir einfällt, dass sie das vielleicht gar nicht an meinem Aussehen, sondern meinem Geruch festgemacht hat.)

Nach ca. der Hälfte der Strecke kommt mir eine nette, ältere Wanderin entgegen, die wissen möchte, wie lange ich unterwegs war. Sie hat wohl getrödelt und Pilze gesucht und dabei die Zeit vergessen und es jetzt etwas eilig. Wir plauschen kurz und zum Abschied sagt sie den Satz des Tages: „Ab tausend Meter gilt das Du“ ☺️

Ich habe natürlich immer alle ganz höflich gesiezt, auch wenn die Begrüßungsformel hier „Grüaß di“ lautet. Ich schmunzle noch eine Weile ob diesen schönen Satzes und setze meine Wanderung gutgelaunt fort.

Da es keine markanten Fernblicke zu bestaunen oder groß auf den Weg zu achten gibt, höre ich seit langer Zeit mal wieder Podcasts und komme gegen 14:00 Uhr in Gaberl an. Dort wollte ich eigentlich etwas Essen, aber die Speisekarte gibt außer gebratenen Gemüseröllchen nichts Vegetarisches her und voll ist es auch, also gehe ich noch gut 3km weiter bis zum „Alten Almhaus“.

Hier ist es auch super voll, alle Tische drinnen und draußen besetzt, aber ich komme am Tisch zweier Damen unter und die Aussicht auf die Berge ist hier schöner.

Ich lasse mir endlich Semmelknödel mit Kraut schmecken, dazu noch eine Gemüsebeilage – lecker.

Nebenan gibt es einen Almkäseladen und ich kaufe mir 150g milden Bergkäse, um meinen Proviant für morgen etwas aufzupeppen.

Dann spaziere ich nur noch auf einem ebenen Weg sechs Kilometer bis zum Salzstieglhaus, das heute Ruhetag hat, und suche mir kurz dahinter ein wunderschönes, ebenes, windgeschütztes Plätzchen für mein Tarp. Rundherum stehen kleine Heidelbeerbüsche und nachdem das Zelt steht, pflücke ich mir noch einige. Leider sind die Büsche schon fast abgeerntet, aber zwei, drei Handvoll kommen noch zusammen. Mjam, lecker.

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