Ötscher Tropfsteinhöhle – Erlaufsee

01.08.2022, Tag 8, 26 km, Gesamtdistanz: 198 km

Als ich morgens meinen Kram im Zelt zusammenpacke, entdecke ich draußen auf der Wiese zwei Ziegenböcke, die genüsslich das frische Gras abzupfen. So geht der Tag doch gut los.

Der Weg führt zunächst weiter ansteigend durch eine schöne Waldgegend bis nach Raneck und von dort leicht abschüssig bis in die Siedlung Ötscherwiese.

Die Häuser liegen malerisch in einem kleinen Tal mit Blick auf den Ötscher und seinen kleinen Bruder.

Etwas entfernt sehe ich an einer großen Fichte das vertraute rot-weiß-rote Zeichen und mache mich auf den Weg dorthin, als aus dieser Richtung eine ältere Dame kommt, die mich fragt, wo ich hinmöchte.

Ich antworte wahrheitsgemäß zum Riffelsattel und sie meint, das wäre der falsche Weg. Ein Blick auf meine gps-Route bestätigt sie.

Also geleitet sie mich zu einem anderen Abzweig und lässt mich erst wieder alleine, nachdem sie sich versichert hat, dass ich nun auf dem richtigen Weg bin.

Als ich aber nochmal in der App und dem Wanderführer nachschaue wird schnell klar, dass ich doch falsch bin. Der Weg an der Fichte ist richtig und die gps-Route zeigt nur den Umweg über Lackenhof.

Als ich mir sicher bin, dass die nette Dame weit genug weg ist, drehe ich um und gehe den richtigen Weg. Dieser führt wunderschön über schmale Pfade durch den Wald und unter dem Ötscherlift hindurch.

Danach beginnt der steile Anstieg zum Riffelsattel, der sich in drei Abschnitte aufteilt. Den ersten stapfe ich noch frohen Mutes am Waldrand entlang langsam hinauf. An der Wegkreuzung hatte ein Pärchen Pause gemacht, welches sich auf dem zweiten Abschnitt mir anschließt. Das setzt mich zwar ein wenig unter Druck, aber ich versuche, nicht schneller zu laufen, als ich es bei solch steilen Anstiegen immer tue – also seeeehr langsam, dafür ohne Pausen.

Irgendwann bin ich allerdings so fertig, dass ich dringend stehen bleiben und mich nach Luft schnappend hinsetzen muss. Die beiden passieren mich und ich versuche, wieder zu atmen zu kommen.

Kurz darauf stelle ich fest, dass es nur noch wenige Meter bis zur zweiten Wegkreuzung gewesen wären. Danach kommt der finale Anstieg über eine Wiese direkt auf den Sattel.

Anstieg zum Riffelsattel

Ich gebe mein Bestes, bin aber wieder fix und alle, als ich endlich oben ankomme. So fertig war ich schon lange nicht mehr und ich muss feststellen, dass ich keine 35 mehr bin. 😦

Eine halbe Stunde mache ich Pause und versuche wieder zu Kräften zu kommen.

Optional könnte man von hier aus über das Ötscherschutzhaus auf den Ötscher steigen. Unabhängig davon, dass das gute drei Stunden dauern würde, kommt das für mich heute nicht infrage, zumal noch der Abstieg auf die gut 1.600 m hohe Gemeindealpe ansteht.

Auf dem weiteren Weg mache ich mir ernsthaft Gedanken, ob ich es nächstes Jahr mal mit Tageswanderungen probieren sollte. Einfach auf einem Campingplatz in den Bergen das Zelt aufstellen und dann immer mit leichtestem Gepäck die schönsten Gipfel besteigen – so wie das Pärchen, die mit kleinen Rucksäcken weiter zum Ötscher gelaufen sind.

Ich werde die Idee mal im Hinterkopf behalten, werde ja auch nicht jünger.

Die Strecke wird immer schöner. Es geht am Südhang des kleinen Ötscher entlang und ich kann schon den Kamm sehen, auf welchem es heute bis zur Gemeindealpe gehen wird.

über diesen Kamm von rechts nach links bis zur Gemeindealpe geht es heute

Das Wetter ist wechselhaft, die Wolken schieben sich schnell vor die Sonne und verdrücken sich aber auch schnell wieder. Und bis jetzt bleibt es trocken.

Der Pfad ist schmal und von bunten Blumen und kräftigen Nadelbäumen eingerahmt und auf dem Kamm beginnen wunderschöne Steinwiesen, auf welchen die Bergkühe genüsslich das Gras kauen.

Es ist wirklich wunderschön! Dafür gehe ich wandern, für diese tollen Berglandschaften. Warum ich anfangs wieder eine Woche durch Felder und Wiesen gelatscht bin, weiß ich auch nicht…

Ich merke allerdings, dass mir der harte Anstieg immer noch in den Knochen steckt, so richtig fit werde ich heute wohl nicht mehr.

An der Feldwiesnalm kann ich meine Wasserflasche auffüllen und dann gehts weiter zum nächsten Anstieg.

Lediglich die letzten zwanzig Minuten zur Gemeindealpe sind wieder sehr steil, davor bewegt es sich auf bequemen Kammwegen. Aber das reicht mir schon. Langsam kämpfe ich mich die steinigen Serpentinen hinauf und bin heilfroh, als ich lebend oben ankomme.

Damit habe ich es aber für heute geschafft und mir eine große Pause verdient.

Auf der Gemeindealpe, im Hintergrund der Ötscher

Diese verlängert sich zwangsweise, als es anfängt zu gewittern und regnen. Die Familien, die mit dem Sessellift hochgekommen sind, rufen panisch ihre Kinder vom Spielplatz zusammen und fahren ins Tal. Ich bin ganz entspannt, da der Regen nur eine Stunde anhalten soll und will das Ende hier oben einfach abwarten.

Glücklicherweise hat die teilüberdachte Terrasse des Terzerhauses, welches Restaurant und Unterkunft bereithält, sogar Steckdosen und so vergeht die Zeit wie im Fluge.

Es dauert auch gar nicht so lange, bis die Sonne wieder ihre Strahlen auspackt und ich springe sofort auf und finde ihn beim Blick von der Sonnenterrasse:

Den Regenbogen 🙂

Nach einer knappen Stunde scheint es stabil trocken zu bleiben und ich beginne den Abstieg in Richtung Erlaufsee. Auch dieser Weg ist schön, ich bin aber froh, hier nicht hochgekommen zu sein, weil der Anstieg viel länger ist.

Am Ende klart es nochmal richtig auf und die Sonne versprüht alle noch vorhandenen Strahlen in den Abend hinein.

Kurz nachdem ich durch die Bäume das erste Mal das Glitzern des Erlaufsees sehen konnte, steht dort auf einmal eine Hütte, die wie für mich gemacht ist. Keine Frage, hier bleibe ich für die Nacht!

Haus am See

So einen perfekten Schlafplatz habe ich mir nach diesem Tag verdient, denke ich. Außerdem soll es regnen, da ist das Dach ganz praktisch und ich kann darauf verzichten, mein Zelt aufzustellen. Ich lege einfach die Plane und das Innenzelt auf den Boden und darauf die Isomatte. Aufgrund der Höhe könnte es höchstens etwas kühl werden, aber das werde ich ja sehen, habe auch noch meine Daunenjacke mit.

Ich verbringe einen ruhigen Abend in der Hütte, ohne dass irgendjemand vorbei kommt und schätze, dass ich schlafen werde wie ein Stein.

Hinterlasse einen Kommentar