25.08.2021, Tag 1, 11 km, Gesamtdistanz 11 km
Nun also der Maximiliansweg. Nach meinem Ruhetag bin ich super erholt und motiviert, endlich wieder in Bewegung zu kommen. Ich habe den Ruhetag nämlich fast ausschließlich im Bett verbracht, Beine hochgelegt und die Informationen zum Maximiliansweg zusammengetragen.
Da ich mir das Frühstück morgens nicht entgehen lassen wollte (bezahlt ist bezahlt), kann ich erst mit dem Bus um 09:00 Uhr nach Füssen fahren. Von dort geht es direkt weiter mit dem nächsten Bus nach Schwangau.
Ab dort sind es noch gute 2 km Fußmarsch, bis ich endlich an der Talstation der Tegelbergbahn stehe. Ich will dieses Mal tatsächlich mit der Bahn hochfahren, da ich den Berg schon im letzten Jahr zu Fuß erwandert habe und heute die Zeit und Kraft für die eigentliche Etappe sparen möchte.
Schnell überlege ich jedoch, ob das wirklich so eine gute Idee ist, da sich eine lange Schlange an der Kasse der Bahn gebildet hat. Und eine noch längere Schlange wartet dahinter auf den Zutritt zu der Gondel.

An der Kasse geht es zwar schnell, aber die Tegelbergbahn hat nur zwei Gondeln im Einsatz, so dass es immer ewig dauert, bis der nächste Schwung von 30 Personen einsteigen und hochfahren kann.
Ich stelle mich trotzdem an und zahle zähneknirschend 17,00 EUR für die einfache Fahrt, da der Aufstieg am Ende noch länger dauern würde. An der Schlange zur Gondel nutze ich dann meine Konzert-Warteschlangen-Skills, damit ich heute überhaupt noch hier weg komme.
Nach einer Stunde bin ich endlich oben und kann starten. Aussicht gibt es heute keine, der Berg ist in dichten Nebel gehüllt.

Um 11:30 Uhr starte ich also meine Wanderung auf dem Maximiliansweg , der auch gleichzeitig Teil des E4 ist.
Diese Etappe kenne ich schon vom letzten Jahr, da sie auch eine Etappe der Wandertrilogie darstellt. Und es war im letzten Jahr mit Abstand die schönste Etappe, weshalb ich mich sehr freue, sie heute wieder gehen zu können.
Die Wetteraussichten für heute sind eigentlich ganz gut. Ab Mittags soll es aufklaren und ich hoffe auf gute Sicht von der Hochplatte. Ab morgen soll es dann tagelang erstmal regnen und schlechte Sicht geben. Deswegen hatte ich mich gestern auch spontan entschieden, heute direkt hier zu starten und nicht wie ursprünglich geplant eine Etappe vorher.
In den Nachrichten wurde gestern Abend offiziell das Ende des Sommers ausgerufen – für mich zwar ein paar Wochen zu früh, aber was soll’s. Muss ich mal schauen, ob ich für die anhaltend niedrigen Temperaturen von tagsüber maximal 19°C und Nachts um die 6°C ausreichend Klamotten mit habe (ich fürchte nicht 😉 ).
Doch nun ging es los und meine Beine freuten sich richtig, sich wieder bewegen zu dürfen. Der Nebel bzw. die tiefhängenden Wolken sorgen für eine angenehme Ruhe und nach einigen Kilometern habe ich die Familien und anderen Wanderergruppen auch alle hinter mir gelassen und kann relativ ungestört den Weg genießen.

Nach einer angenehmen leichten Wanderung immer an den Hängen entlang und mit Blick in die grünen, saftigen Täler zwischen den Berggipfeln, beginnt der Anstieg auf den Gabelschrofensattel. In großen Serpentinen schraubt sich der Weg stetig höher. Kurz vorm Ziel haben es sich Kühe bequem gemacht. So muss ich über die Wiesen stapfen, da es mir nicht gelingt, die Rindviecher zum zur Seite treten zu überreden.
Oben sitzen gut zehn andere Wanderer und Wanderinnen und verspeisen ihre Brotzeit. Da ich noch einen weiteren Anstieg direkt vor mir habe, gehe ich zügig weiter. Jetzt kommt nämlich die schöne Kletterstelle hinauf zur Krähe.
Erst dort an diesem Gipfel mache auch ich Pause. Auch hier sind schon jede Menge Menschen da. Ich merke jetzt, dass es schon Vorteile hat, wenn man früh losgeht und nicht erst mittags startet, so wie ich heute.
Die Pause mache ich weniger weil ich Hunger habe, sondern vielmehr, weil ich enttäuscht auf die dichten Wolken schaue, die in Richtung Hochplatte jegliche Sicht verwehren. Es ist jetzt schon 14:00 Uhr und das Wetter hätte eigentlich deutlich besser sein sollen!
So wird das wohl nichts mit der schönen Aussicht von der Hochplatte. Schade, ich hatte mich so sehr darauf gefreut.
Frustriert esse ich mein Brötchen und Ei, welche ich mir beim Frühstück mitgenommen hatte. Dann gehe ich weiter und überlege, die Alternativroute über den Ostallgäuer Höhenweg zu nehmen, da die Hochplatte einfach nicht aus den Wolken rauskommt.

Als ich dann an der entscheidenden Kreuzung bin, kann ich aber immerhin gut 50 Meter weit sehen und die Hochplatte ist nur auf einer Seite in Wolken getaucht.

Da es am Ende bei fehlender Sicht auch egal ist wo ich laufe und der Weg über die Hochplatte mich wirklich reizt, entscheide ich mich doch dafür.
Und das war keine schlechte Entscheidung. Denn trotz der nur eingeschränkten Fernsicht macht es wieder großen Spaß auf dem schmalen Grat nach oben zu klettern. Die Seilpassage ist jetzt beim zweiten Mal auch nicht mehr ganz so furchteinflößend und dann stehe ich ganz alleine auf dem Gipfel. Und schon dafür hat es sich gelohnt. Alles ist still, nur aus der Ferne höre ich manchmal ein Flugzeug. Wunderbar. Ich habe richtig gute Laune und die brauche ich auch für den Abstieg. Den habe ich nämlich als nicht so angenehm in Erinnerung.

2020 
2021
Zunächst geht es über Geröll nach unten, dann durch Zwergkiefernbestände auf großen Steinen, dann wieder Geröll…da ich aber schon wusste, was auf mich zukommt, war es nicht ganz so nervig wie letztes Mal und nach 50 Minuten erreiche ich das Tal, in welchem es auf stark ausgewaschenen Pfaden in Richtung Kenzenhütte geht.
Diese erreiche ich gegen 17:30 Uhr, fülle nur schnell mein Wasser auf und gehe dann noch ein kleines Stück weiter, um mir einen Platz für die Nacht zu suchen. Das ist gar nicht so einfach, weil der Weg schmal ist und sich am Berghang hinaufwindet, aber mit etwas Suchen und Glück finde ich eine kleine ebene Stelle am Hang, wo mein Tarp geradeso hinpasst.


















Probeliegen fürs Zelt 


