23.08.2021, Tag 8, 17 km, Gesamtdistanz 182 km
Ich hatte richtig Glück mit meinem Zeltplatz! Durch das dichte Moos um mich herum und unter dem Zelt, konnte mir der Regen, der kontinuierlich seit dem frühen Abend herunterprasselte, nichts anhaben. Bei jedem anderen Untergrund hätte es entweder von unten durchdrücken oder einfach reinspritzen können. Aber so blieb in meiner Behausung alles trocken und da ich heute die Windjacke über das Schlafshirt gezogen hatte, war es auch nicht zu kalt.
Nachts hörte es unerwarteterweise sogar auf zu Regnen, so dass ich mich um sieben Uhr im Trockenen auf meine letzte Etappe auf dieser Route machen konnte.
Zunächst aber gab es Frühstück. Ich hatte gestern schon die zahlreichen Walderdbeeren um mein Zeit herum gesehen und mich auf heute gefreut, wo ich sie frisch vom Regen gewaschen verspeisen konnte.

Dann ging es noch eine Stunde hinauf bis zur Bergstation der Füssen Jochl-Bahn. Als ich kurz vor acht Uhr dort ankam, trafen gerade die Mitarbeiter der Alpe ein, die eine Sonderfahrt mit der Seilbahn erhalten hatten. Offiziell startete diese nämlich erst um 08:45 Uhr.
Das Wetter war unbeständig. Genau bei meinem Eintreffen zogen sich die Wolken wieder zusammen und hüllten die Gipfel, auf die ich heute noch klettern wollte, mit einer weißen Decke zu.
Genauso schnell, wie die Wolken kamen, verflogen sie aber auch wieder und ich blieb optimistisch, dass es aufklaren würde.
Kalt war es nicht und so marschierte ich weiter von der Läuferspitze über den Gamskopf und dann wieder etwas runter in ein Tal zwischen den Gipfeln.
Durch die Wolken und die frühe Uhrzeit war alles ruhig und friedlich und ich habe die Stille sehr genossen. Nur ab und zu war eine entfernte Kuhglocke oder das Tschiepen eines Vogels zu hören.
Dann konnte ich auch noch Bergziegen (oder so etwas in der Art) beobachten. Der Weg hat richtig Spaß gemacht, weil es trotz der Höhe nicht anstrengend war.

Das wurde es dann nur am Ende nochmal kurz beim finalen Anstieg zur Bad Kissinger Hütte, von der mit schon einige Wander*innen entgegengekommen waren.
Gegen 10:00 Uhr erreichte ich die Hütte, hielt mich aber gar nicht lange auf, da die Wolken sich lichteten und ich die Gelegenheit nutzen wollte.

Die Bad Kissinger Hütte steht nämlich in unmittelbarer Nähe des 1.985 Meter hohen Aggenstein. Und den wollte ich nun bezwingen.
Die erste Strecke ist noch normal anspruchsvoll und entsprach auch der Wanderroute der Wandertrilogie.
Dann kommt irgendwann der Abzweig zum Gipfel, der nicht Teil der Etappe, sondern optional ist. Da sich die Wolken aber weiter zurückzogen, konnte mich nichts an der Eroberung hindern.
Es galt nun auf allen Vieren und unter Zuhilfenahme von dicken Stahlseilen die letzten Höhenmeter zu überwinden und dann stand ich oben.

Auf dem Aggenstein verläuft die Grenze zwischen Österreich und Deutschland, was ordnungsgemäß mit einem Grenzstein angezeigt wird.
Von dem Pärchen, welches kurz vor mir den Gipfel erklommen hat erfahre ich, dass es hier Edelweiß gibt.
Edelweiß! Ich bin sofort Feuer und Flamme und möchte ihn mit eigenen Augen sehen. Schon die ganzen letzten Tage frage ich mich, ob es hier in den Alpen diese seltene Pflanze gibt und wenn ich sie jetzt endlich sehen könnte, wäre das das Sahnehäubchen auf dieser schönen Schlussetappe.
Und der Mann zeigt mir wirklich drei Stellen, an denen ich die Pflanze finden kann.
Ehrlich gesagt hätte ich den Edelweiß nicht von alleine erkannt, zu sehr ist mein Bild von den stark stilisierten Logos und Darstellungen verzerrt, die es überall zuhauf gibt.
Aber schön ist er schon irgendwie.
Da ich nun zum ersten Mal in meinem Leben Edelweiß in natura gesehen habe, bin ich so euphorisch, dass ich sogar den Abstieg an den Seilen und danach auf rutschigen Serpentinen gutgelaunt meistere.
Nun steht noch der allerletzte Anstieg an. Es geht auf den direkt nebenan liegenden Breitenberg.

Und danach muss ich 900 Höhenmeter nach unten…ich brauche zwei Stunden und es nervt ganz schön. Auch wenn etwas Abwechslung enthalten ist, weil es erst Serpentinen über Wiesen, dann Serpentinen durch Wald auf Wurzeln und dann Serpentinen durch Wald auf Steinen sind, aber bergab wandern wird mir wohl nie Spaß machen. Als Rentnerin werde ich sicherlich nur noch bergauf laufen und dann ganz gediegen die Seilbahn runter ins Tal nehmen. 🙂
Irgendwann passiere ich aber endlich den Gasthof Fallmühle und dann muss ich nur noch auf einem breiten, geschotterten Weg in Richtung Pfronten laufen.

Ich erreiche das Steinmännle im Zentrum gegen 16:00 Uhr und habe damit die 850 Kilometer lange Wandertrilogie Allgäu abgeschlossen.

Dass sich das Vorhaben auf zwei Jahre verteilt hat, war zwar ursprünglich nicht geplant, hat dem Vergnügen aber keinen Abbruch getan.
Von den drei Routen Wiesengänger, Wasserläufer und Himmelsstürmer war die letztere mit Abstand die Schönste. Das Bergpanorama der Alpen ist einfach nicht zu tippen, aber jede der Routen hat ihre schönen Seiten, so dass ich alle empfehlen kann.
Für mich ist an dieser Stelle auch noch nicht Schluss. Mein Urlaub ist noch lange nicht zu Ende und so werde ich weiterwandern. Ich habe den Maximiliansweg geplant, da dieser hier in Pfronten vorbeiführt und ich sofort weiterlaufen könnte.
Als ich mich in der Touristeninfo nach Material zum Weg erkundige, gibt es allerdings nichts. Und die Dame meint nach einer kurzen Recherche, dass der Weg wohl nur „auf Papier“ existiert, aber nicht gesondert ausgeschildert ist.
Da ich schon mal da bin, frage ich noch nach einem Zimmer für zwei Nächte, auch wenn ich im Internet schon nichts gefunden hatte. Aber die Dane kann mir überraschenderweise zwei sehr günstige Angebote unterbreiten, weil es offensichtlich kurzfristige Stornierungen gab.
Und so kommt es, dass ich jetzt in einem weichen, warmen Bettchen liege, frisch geduscht bin, meine Sachen alle tropfnass auf Bügeln hängen und ich morgen einen Ruhetag habe. Diesen werde ich nutzen, um die nächsten Wochen zu planen. Und welche Wanderung es werden wird, könnt ihr dann wieder hier in meinem Blog nachlesen.




Aggenstein 
Pfronten 













Sebenalpe 

Blick auf Tannheim und Grän





Dein Tagesbeitrag war wieder ganz wunderbar. Es macht sehr viel Spass, deine
Beiträge zu lesen. Habe einen schönen Ruhetag. Wir sind gespannt, welche
Strecke du dir als Nächstes aussuchst.
Liebe Grüsse aus Pankow
LikeLike