27. – 30.01., 4 Tage, 107 km, Gesamtkilometer: 1.808
Es wird wohl Zeit weiterzulaufen. Vier Ruhetage habe ich mir jetzt gegönnt und sie haben hoffentlich dazu beigetragen, dass die Entzündung in meinem linken Fußgelenk abgeklungen ist. Also räume ich meinen perfekten Zeltplatz auf dem Friedhof und stapfe los…das Fußgelenk tut massiv weh, aber ich hoffe, dass es sich nur warm laufen muss und tatsächlich hören die Schmerzen nach einigen Minuten auf.
Um acht Uhr fährt ein Schnellboot, voll beladen mit Touristen, von Picton durch die Sounds bis nach Ship Cove. Anfangs ist es noch etwas kühl, aber als die Sonne rauskommt, kann man es trotz des massiven Fahrtwindes gut auf dem Oberdeck aushalten. Die Gegend sieht fantastisch aus mit den grünen Hügeln, die sich bis ins Meer hineinzuschlängeln scheinen. Erinnert mich sehr an die Fjordregion in Patagonien und die Bootsfahrt nach Puerto Williams (hey Große, weißt Du noch? 🙂 ).

Wir sind zwei Stunden unterwegs und halten zwischendurch an anderen Stationen. Die Marlborough Sounds sind durchaus bewohnt, die meisten Siedlungen und Häuser sind allerdings nur per Boot zu erreichen, weshalb alles, was man dort so braucht, per Wassertaxi angeliefert werden muss.

Wassertaxi in den Marlborough Sounds
In Ship Cove steht ein Denkmal für Cpt. James Cook, da er an dieser Stelle fünf mal angelegt hat, u.a. weil es hier einen Fluss als Trinkwasserquelle gibt. Als wir dort anlegen, fühle ich mich wie im Südseeurlaub…das Wasser ist super klar, plätschert leise ans Ufer und ich kann bis auf den Grund sehen, die Sonne scheint (ein bisschen), es ist warm und ruhig…wobei, ruhig ist es nicht. Schon auf dem Bootssteg höre ich ein unglaublich lautes Zirpen aus den Bäumen am Ufer. Dort müssen tausende von Grillen oder ähnlichen Tieren sitzen und die machen mal richtig Alarm. Dieses Zirpen wird mich in den nächsten Tagen begleiten und ist manchmal so laut, dass man sich die Ohren zuhalten möchte!
Jedenfalls startet hier in Ship Cove der Queen Charlotte Track, ein ca. 70 km langer Wanderweg, der sehr beliebt ist und dessen Qualität sehr hoch ist, der Weg ist also gut in Schuss und Schlamm sucht man vergeblich.

Queen Charlotte Track
Gut gelaunt laufe ich los und tatsächlich macht es Spaß hier zu laufen, es geht zwar steil hoch, aber auf einem normalen Wanderweg ist das kein Problem. Man kann immer wieder aufs Wasser sehen und hat schöne Ausblicke auf die Sounds. Die Sonne scheint und ich komme gut voran. Wenn jetzt mein Rücken nicht so weh tun würde, wäre es noch schöner.
Schon bei der ersten Pause fallen mir die gar nicht scheuen Vögel auf, die um die Picknicktische herumwuseln. Sie sehen fast wie Kiwis aus, haben aber einen anderen Schnabel. Es sind Weka und so putzig sind sie gar nicht, sie sind nämlich sehr neugierig und klauen auch alles, was sie so zwischen den Schnabel bekommen. Man soll sie nicht füttern, aber wenn ich so beobachte, wie massiv sie auf Tütenrascheln reagieren und geradezu bettelnd vor der Bank stehen, werden sie wohl regelmäßig gefüttert.

frecher Weka
Ich komme schon gegen 17 Uhr am Zeltplatz an und da die Sonne immer noch scheint, springe ich erstmal ins Wasser. Das ist zwar super kalt, aber trotzdem erfrischend. Als ich nach dem Essen zum Zelt zurückkomme, haben die Weka meine Folie, die ich unter dem Zeltboden ausgelegt habe, da dieser nicht mehr wasserdicht ist, hervorgezuppelt und einige Löcher reingefressen…na toll…aber in den nächsten Tagen bleibt es zum Glück erstmal trocken.
Am nächsten Tag erfreue ich mich wieder an dem schönen Wetter und dem tollen Weg. Es gibt einige Aussichtspunkte und an dem blau-grünen Wasser und den grünen Hügeln kann ich mich einfach nicht satt sehen. Leider verpasse ich es an einer Stelle, nochmal Wasser aufzufüllen, so dass ich auf den nächsten zehn Kilometern mit ca. 700ml auskommen muss – und das bei praller Sonne und zwei knackigen Anstiegen. Die Strecke wird mit vier Stunden veranschlagt, ich brauche zum Glück nur zwei und kann dann an einem Fluss Wasser nachfüllen. Danach kommt der nächste Zeltplatz aber erst in knapp zehn Kilometern, weshalb ich an diesem Tag 39 km laufe und damit nur noch drei km auf dem Queen Charlotte Track für den nächsten Tag übrig bleiben. Mein Rücken tut leider immer noch massiv weh, er verkrampft sich ständig und ich frage mich, ob das jetzt nur die Nachwehen von der Massage sind oder es doch noch schlimmer geworden ist. Der einzige Vorteil daran ist, dass ich ohne schlechtes Gewissen versuche, meinen Foodbag so schnell wie möglich leichter zu bekommen und jede Menge esse.

Am dritten Tag beende ich also den QCT. Danach folgt der Link-Pathway, der u.a. Anakiwa mit Havelock verbindet und nur einen geringen Straßenanteil besitzt. Hier auf der Südinsel scheint der Sommer jetzt endlich angekommen zu sein, es ist schönes Wetter und ich komme gut voran. In Havelock mache ich Mittagspause und gönne mir ein Eis, wobei es hier gar nicht das Trumpet für zwei Dollar gibt 😦
Danach will ich eigentlich nur noch ein paar Kilometer laufen und mir dann einen Zeltplatz suchen. Da es aber auf einer Schotterstraße entlang geht, an der sich eine Farm an die andere reiht, muss ich noch bis zum Beginn des nächsten Tracks laufen und komme heute schon wieder auf 35 km…nicht die Entschleunigung, die meine Ärztin vorgeschlagen hatte, aber ging heute nicht anders.
Dafür sind es dann am vierten Tag nur noch acht Kilometer bis zur Pelorus Bridge. Die Strecke führt hauptsächlich über die Weiden der Farmer, weil sie nicht wollen, dass die Hiker die Straße blockieren. Dafür müssen wir wieder hunderte Styles (Zauntreppen) überwinden, um über die zahlreichen Zäune zu kommen – keine leichte Übung für eine alte Frau wie mich.
Aber nach knapp zwei Stunden bin ich an der Brücke angekommen, wo es auch einen Zeltplatz mit Café gibt. Einige Tagesgäste sind schon da. Ich stelle mich an die Straße und halte den Daumen raus und nach ca. zwanzig Minuten hält jemand an und nimmt mich mit nach Nelson.
Nelson ist die größte Stadt hier im Norden der Südinsel und eigentlich könnte ich jetzt Lebensmittel kaufen und dann zurück zur Pelorus Bridge hitchen, aber ich habe etwas anderes vor. Ich möchte mal wieder einen kleinen Abstecher vom TA machen und den Abel Tasman Coast Track laufen. Das ist einer der Great Walks und müsste damit eigentlich ein sehr schöner Wanderweg sein. Und da nun endlich der Sommer ausgebrochen ist, will ich die Chance nutzen, wenn ich schon mal hier in der Nähe bin.
Also gehe ich in die Touristeninformation und suche mir die Broschüren raus. Es ist noch ein Stück bis zum Beginn des Weges und da es noch nicht mal mittags ist, entschließe ich mich heute noch weiter bis nach Motueka zu hitchen, um dann von dort besser zum Abel Tasman zu kommen.
Dann gehe ich Lebensmittel für die Tour einkaufen, weil ich nicht weiß, wie groß Motueka ist, und lasse den Rucksack einfach in der Touristeninformation stehen.
Als ich vollbeladen wiederkomme und alles verstaue, spricht mich jemand an. Es ist Katelyn, eine Hikerin, die ich in den Tararuas getroffen habe. Stimmt, sie wohnt ja in Nelson! Bzw. im Nachbarort Richmond, wie sich herausstellt, da sie mir anbietet, bis dorthin mitzufahren. Das nehme ich natürlich gerne an und so fahre ich mit der ganzen Familie, die hier wohl shoppen waren, nach Richmond. Katelyn verbringt einige Tage zu Hause, bevor sie auch wieder weiterwandert.
In Richmond lassen sie mich an der Straße nach Motueka raus, ich kaufe mir erstmal zwei Kugeln Eis und als ich die gerade aufgeschleckt habe, hält auch schon das nächste Auto, mit dem ich bis nach Motueka komme. Perfekt!
Ich gehe dort wieder in die Touristeninformation und buche für die nächsten Tage die Campingplätze auf dem Track und den Bus für morgen früh zum Startpunkt. Es ist jetzt kurz vor vierzehn Uhr und idealerweise befindet sich direkt gegenüber ein Hostel, in welches ich auch einchecke. Das Hostel macht einen sehr gemütlichen und familiären Eindruck – nicht so groß und abgeranzt wie die letzten Unterkünfte, in denen ich war.
Ich bin glücklich und erledige nachmittags noch die üblichen Dinge, als erstes natürlich duschen, damit ich mich wieder unter die Leute mischen kann. Ein junger Deutscher im Hostel hat sich gerade ein Zelt gekauft und überlegt auch, den Abel Tasman zu laufen, weiß aber nicht so richtig, was er an Essen für drei Tage mitnehmen soll. Also laufe ich mit ihm durch den Supermarkt und zeige ihm ein paar Sachen, die leicht aber sättigend sind.
Dann genieße ich den Feierabend und freue mich, dass das alles so gut geklappt hat – heute morgen war ich noch auf dem TA und jetzt bin ich mehr als 80 Kilometer entfernt und liege frisch geduscht in einem sauberen Bett. Urlaub kann so schön sein. 🙂