Ich bin tatsächlich in Auckland angekommen, die ersten 600km zu Fuß, mit allem was ich brauche in meinem Rucksack, sind geschafft. Zeit für ein Zwischenfazit.
600km Te Araroa, das waren 23 Tage Wandern und 2 Ruhetage, unendliche Sandstrände und unzugängliche Urwälder, 1.000 Moskitostiche und stinkende Klamotten, pralle Sonne und strömender Regen (aber nur Nachts 😉 ), Sonnenauf- und Untergänge über dem Meer, über den Wäldern, über den Hügeln, einsames Wandern und Gruppenzelten mit sechs anderen Hikern, jede Menge Nudelsuppe und noch mehr Schokolade, Blasen, Fuß- und Rückenschmerzen, aufgewühltes Meer und große Trucks auf dem Highway und natürlich unzählige Schafe, Kühe und unendlich weite, grüne Wiesen.

Ich bin mehr als einmal an meine körperlichen Grenzen gestoßen und musste sie überschreiten, um das Tagesziel zu erreichen. Ich habe geflucht, ob der unmöglichen Wege und des glitschigen Schlamms…hach ja, der Schlamm…ich werde ihn für immer hassen, keine Chance auf Freundschaft. Ich habe mir die Beine aufgekratzt, weil die Moskitostiche so unglaublich stark jucken und ich habe noch nie so gestunken wie in den letzten Wochen.
Und ich habe schon viele neue Menschen kennengelernt und bin auf eine Gastfreundschaft getroffen, die seinesgleichen sucht. Ich habe wunderschöne Landschaften gesehen und putzige Vögel, die Laute von sich geben, die bei uns als Handyklingelton angeboten werden. Ich habe ideale Zeltplätze gefunden und Momente des puren Glücks erlebt, wenn der Gipfel erreicht oder das Eis gekauft war.

Und ich habe mich in den letzten Wochen oft gefragt, ob es das wert war. Ist der Te Araroa es wert, dass man seinen Job aufgibt, seine Familie und Freunde für mindestens ein halbes Jahr verlässt und sein altes Leben hinter sich lässt?
Ich habe noch nicht einmal ein Viertel des Weges geschafft, aber ich würde sagen ja, das ist es wert. Dieser Thru-Hike ist das größte Abenteuer meines Lebens und ich sammle hier Erfahrungen, die ich auf keine andere Art machen könnte. Ich lerne mich sehr intensiv kennen und habe viel Zeit zum Nachdenken. Ich schließe neue Freundschaften und treffe interessante Menschen. Außerdem ist die Wanderung die größte Herausforderung, der ich mich bisher gestellt habe und ich habe den Ehrgeiz, das Ziel zu erreichen.
Dennoch ist mir in den letzten Tagen auch bewusst geworden, dass ich kein Vollblut-Thru-Hiker bin. Das heißt, ich glaube nicht, dass ich einen zweiten Thru-Hike machen werde. Der Te Araroa ist ein großartiges Erlebnis, aber nur noch wandern? Oder zumindest immer wieder fünf Monate Zeit finden für den nächsten Thru-Hike? Nö, das kann ich mir nicht vorstellen. Dafür ist es dann doch nicht erfüllend genug. Für einige Zeit keine Termine und keine Verantwortung zu haben ist sehr angenehm, aber auf Dauer würde mir das nicht reichen und eine Herausforderung fehlen, die darüber hinaus geht, durch den Fluss zu gelangen oder den Gipfel noch vor dem Sonnenuntergang zu erreichen. Aber wer weiß, es liegen noch 2.400km vor mir, manchmal braucht die Liebe etwas länger und vielleicht packt mich das Thru-Hiker-Virus doch noch 😉

Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich überhaupt schon so weit gekommen bin. Auckland war immer ein wichtiges Zwischenziel für mich. Ich wusste nicht, wie gut meine Füße mitspielen würden und ich habe mir vor dem Start gesagt, wenn meine Füße mich bis nach Auckland bringen, dann schaffe ich es auch bis nach Bluff…und hier bin ich nun. In den letzten drei Tagen habe ich meine Füße zwar leider sehr an ihr Limit gebracht, aber ich denke, sie werden sich wieder beruhigen – und wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, dann laufe ich den gesamten Te Araroa 🙂
Bis auf Nudelsuppe und noch mehr Schokolade, Blasen, Fuß- und Rückenschmerzen bin ich zufrieden mit deinem Fazit 😉
Liebe Grüsse Ulli
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